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Kinokritik

„28 Weeks Later“

 

Vor einiger Zeit hat Regisseur Danny Boyle seinen Film „28 Days later“ auf dem Markt gebracht, der sich zu einen Geheimtipp und Kassenschlager entwickelte.

Sequels von Horrorfilmen haftet allgemein ein unzweifelhaft schlechter Ruf an - schnell mal mit der Marke des Originals billig noch ein paar Dollar verdienen, das ist die gängige Praxis. Ein trauriges Paradebeispiel dafür lieferte zuletzt The Hills Have Eyes 2. Doch bei „28 Weeks Later“ bewegen wir uns im Dunstkreis von Danny Boyle (Trainspotting, The Beach), einem der kreativsten der jungen Hip-Regisseure. Zwar ist der Brite, der das Original 28 Days Later inszenierte, aufgrund seiner Produktion Sunshine nicht auf dem Regiestuhl vertreten, doch als ausführender Produzent. Für die Regie zeichnet das Talent Juan Carlos Fresnadillo verantwortlich. Der Spanier entfacht ein knallhartes, hypnotisches Sci-Fi-Endzeithorror-Inferno, das in punkto Inszenierung hohen Maßstäben gerecht wird.

 

Plot:

Das Grauen, das durch das tödliche „Rage“-Virus über Großbritannien her zog, ist noch nicht vorbei. Don Harris hat sich mit seiner Frau Alice und einigen anderen Überlebenden auf dem Land verbarrikadiert. Doch dann geht es ganz schnell. Eine Horde von blutrünstigen, kannibalistischen Infizierten macht sich über die Gruppe her. Es gibt kein Entkommen. Lediglich Harris gelingt die Flucht, wobei er seine Frau jedoch sträflich im Stich lässt. 28 Wochen später, nachdem das US-Militär unter NATO-Mandat die Kontrolle übernommen hat, ist das Virus ausgerottet, die letzten befallenen Ex-Menschen sind verhungert. Die ersten Flugzeuge bringen wieder Bewohner nach London - darunter auch Andy und Tammy, die Kinder von Don Harris, die gerade auf Klassenfahrt waren, als England unter Quarantäne gestellt wurde. Trotz strenger Militärkontrolle gelingt es den beiden Geschwistern, zu ihrem Elternhaus durchzudringen. Dort machen sie eine beängstigende Entdeckung: Ihre tot geglaubte Mutter Alice hockt völlig apathisch in einer Ecke. Sie wird in Quarantäne verfrachtet. Obwohl sie mit dem „Rage“-Virus infiziert ist, zeigt sie keine Anzeichen der Krankheit. Doch sie ist Trägerin des Virus und infiziert ihren Mann durch einen Kuss, weswegen die Lage eskaliert und das Virus plötzlich erneut freigesetzt wird. Die Militärärztin Scarlet, die Alice betreut hat, versucht Andy und Tammy zu schützen, was sich als nicht leicht herausstellt, denn nicht nur die Infizierten sind hinter den Bewohnern von England hinterher, sondern auch das Militär, dem die Situation immer weiter entgleitet, bis sie „Code red“ befehlen: Vollständige Vernichtung...

 

Kritik:

„28 Days Later“ fortzusetzen, ist nicht nur angesichts des netten kommerziellen Erfolgs legitim. Die neue Story gewinnt zwar nicht unbedingt einen Originalitätspreis, möchte man meinen, doch zwischen den Zeilen der auf den ersten Blick konventionell wirkenden Geschichte verbergen sich kleine, intelligente Reflexionen unserer heutigen Gesellschaft. Vordergründig ist die Marschroute denkbar einfach: Das Trio der beiden Kinder Andy und Tammy sowie die Ärztin Scarlet fliehen vor den Zombies und dem wild gewordenen Militär. Später gesellt sich noch Scharfschütze Doyle hinzu, weil ihm die Politik seiner Vorgesetzten unmenschlich erscheint. Doch dieses klassische hit and run wird durch einige unterschwellige Botschaften auf der politischen Ebene aufgepolstert. Die Story reflektiert beispielsweise die Situation im Irak, wo die US-Armee völlig die Kontrolle verloren hat, Zivilisten ins Visier nimmt und ganze Stadtteile dem Erdboden gleich macht. Zum anderen spiegelt „28 Weeks Later“ das Klima in der neuen unschönen Welt des Terrorismus wider. Die Opfer (die Bürger) werden durch den restriktiven Militäreinsatz zu Tätern stilisiert, die bekämpft werden müssen, was im Film in der Eskalation auf die Spitze getrieben wird.

 

Die atmosphärischen Werte von „28 Weeks Later“ sind herausragend, was neben der Regieleistung Fresnadillos auch dem Schnitt und vor allem John Murphys erneut hypnotischem Score zu verdanken ist. Die Bilder des (beinahe) menschenleeren Londons brennen sich ins Gedächtnis.

In Horrorfilmen steht die schauspielerische Leistung der Akteure zumeist hinten an. Das verhält sich hier nicht viel anders. Aber das Risiko, die beiden tragendsten Rollen mit den jungen Mackintosh Muggleton (Jahrgang 1995) und Imogen Poots (Jahrgang 1989, V wie Vendetta) zu besetzen, macht sich bezahlt. Das Duo kann überzeugen. Rose Byrne (Sunshine, Troja) und Jeremy Renner (S.W.A.T.) gewinnen als Beschützer der Geschwister Sympathiepunkte. Recht mutig ist das Auftreten von Catherine McCormack (Braveheart, Spy Game) und vor allem Robert Carlyle („Ganz oder gar nicht“, Trainspotting), die sich die meiste Zeit in blutrünstigen Zombieposen auf der Leinwand umherbewegen. Obwohl einem Carlyle irgendwie vertraut vorkommt, ist kein Schauspieler aus „28 Days Later“ im Sequel vertreten. Dennoch entsteht inhaltlich kein Bruch. Fresnadillo orientiert sich stilistisch nah am Original, legt in Sachen Blutgehalt und Tempo noch eine Schippe drauf und stellt klar, dass er nicht nur ein Mann für die Zukunft ist, sondern sich auch hinter einem Danny Boyle, der übrigens einige der Second-Unit-Aufnahmen filmte, nicht zu verstecken braucht. „28 Weeks Later“ hält den Adrenalinpegel des Betrachters permanent auf hohem Level, beißt sich fest und lässt nicht wieder los. So, wie es sich für eine krachende Genreproduktion gehört.


Fazit: „28 Weeks Later“ ist reifer, schneller, aber auch etwas glatter als sein Vorgänger. Für Horror- und Endzeitfans ist der Film unverzichtbar. Ich habe selten einen Horror-Film gesehen, der so nachdenklich macht wie dieser.
(5 von 5)
 

 

 

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