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Die Realität hinter den Phasern
Wenige technologische Objekte sind so eng mit dem Star Trek Universum verbunden, wie die Phaser. Wen wundert’s? Welches Kind, das mit der Sci-Fi der Fünfziger oder sechziger Jahre aufgewachsen ist, wollte nicht eine eigene Strahlenpistole haben? Die Geräusche, die Lichter, die Kontrollen und vor allem die unvergesslichen Effekten während der obligatorischen Weltraumschlachten…WOW! Phaser waren eine der ersten Trek-Technologien, die wir in Aktion gesehen haben, denn sie spielten schon in der ersten Episode „Das letzte seiner Art“ 1966 eine Rolle. Seitdem haben sie fünf Fernsehserien, zehn Kinofilme und unzählige Gags in Serien wie Die Simpsons und Saturday Night Live überstanden. Ihr markanter Sound und der Satz „Phaser auf Betäubung“ sind fest in unserem Bewusstsein verankert, und so schnell werden sie wohl nicht wieder verschwinden. Der Anfang war aber alles andere als reibungslos. Als die Desilu Studios 1964 den ersten Pilotfilm „The Cage“ mit Jeffrey Hunter in der Hauptrolle produzierten, war noch kein Phaser in Sicht. Stattdessen sahen wir eine an Flash Gordon erinnernde Waffe, die als Laserpistole bezeichnet wurde. Phaser sind eigentlich nur die jüngsten Vertreter einer langen und unerschütterlichen Faszination für Energiewaffen in der Science Fiction, allem voran der Gedanke der „Strahlenwaffe“. Diese Faszination begann 1895 mit jenen Strahlen, die nach ihrem Entdecker Wilhelm Roentgen benannt wurden, sowie nur ein Jahr später mit der Entdeckung der radiaktiven Strahlung durch Antoine Becquerel. Beide Wissenschaftler nannten ihre Entdeckung Strahlen, und das Wort wurde sofort Bestandteil der Fantasie der Menschen. Nur zwei Jahre später tauchte in H.G. Wells „War of the World“ der marsianische Hitzestrahl auf. Die Vorstellung von Strahlenwaffen sollte sich in den kommenden rund 75 Jahren halten. Lange Zeit – vor allem in den 30er Jahren als das unbekannte Potential des Atoms nicht von den Wissenschaftlern, sondern von den Schriftstellern ausgelotet wurde – waren atomare Desintegratoren und andere esoterische Strahlenwaffen Gang und Gebe, deren zerstörerisches Potential mit nahezu jedem Pulp-Magazin immer weiter eskalierte. Ein Autor, E.E „Doc“ Smith, bestückte seine Raumstation in seinen Buch „Skylark of Space“ mit einem Arsenal aus Hitzestrahlen, ultravioletten Strahlen und Induktionstrahlern die zu Massenvernichtungswaffen wurden. Seine Zeitgenossen antworteten mit einer Flut noch extravaganter Waffen, bis es zur Routine geworden war, so ganz nebenbei komplette Sonnensysteme verschwinden zu lassen. Danach kehrte die „Innovation“ nach und nach zurück zu bescheidenen Zerstörungen, wobei sich zwei Handwaffen als besonders beliebt erweisen: der Blaster und die Stun-Gun. Sie wurden zu unverzichtbaren Bestandteilen von kitschigen Filmserials wie Flash Gordon und Buck Rogers. In den fünfziger Jahren sorgten Filme wie „Der Tag an dem die Erde stillstand“, „Krieg der Welten“ oder „Fliegende Untertassen greifen an“ trotz überlegener Spezialeffekte dafür, die Zuschauer weiter mit Strahlenwaffen zu langweilen. Erste Veränderungen setzten ein, als der Laser (Abkürzung für „Light Amplification by Simulated Emission of Radiation“) von T.H. Maiman entdeckt wurde. Zu dem Zeitpunkt hatten echte Massenvernichtungsmittel wie die Atom- und die Wasserstoffbombe sowie die biologischen Waffen des kalten Krieges die gewöhnliche Strahlenwaffe überholt und ließen sie im Vergleich recht naiv aussehen. Was schließlich dazu führte, dass sie Stück für Stück von der Leinwand verschwanden. 1966 brachte Star Trek den Phaser ein, und 1977 brachte Star Wars den Blaster aus den alten Zeiten zurück und bescherten uns Raumschlachten erster Klasse. Trotz der Tatsache, dass scheinbar keiner der Schützen die Breitseite eines Bantha treffen konnte, war die Welt wieder bereit, für die Energiewaffen. 1979 folgte Star Trek „Der Film“, und auch wenn nicht ein einziger Phaser abgefeuert wurde (ja, ja, seht ruhig nach – es war ein Photonentorpedo), war klar, dass die Strahlenwaffen zurückgekehrt waren. Phaser ist eine Abkürzung für „PHASed Energy Rectification“. Nachschlagen in irgendeinen Wörterbuch bringt überhaupt nichts, höchsten in den Technical Manuals der Star Trek Schiffe. Wenn wir uns aber die Worte betrachten, aus denen es zusammengesetzt ist, dann kann man einen Phaser als ein Gerät definieren, das eng fokussierte Energiestrahlen in verschiedenen Formen ausrichtet und projiziert – vor allem Elektrizität, Hitze oder Strahlung. Laut dem Technical Manual der Enterprise-D kommen wir den Fakten damit ziemlich nahe – aber nur, wenn man sich fast 13 Seiten Technokauderwelch reinzieht. Die Energiequelle ist die gleiche Art von Sarium-Krellit-Energiezellen, mit denen auch die Kommunikatoren betrieben werden und die grundlegende Funktionsweise beruht auf Verwendung der besonderen Eigenschaften von Nadionen, fiktiven subatomaren Partikeln mit „besonderen“ Eigenschaften bei der Interaktion mit Atomkernen. Diese Nadionen können nukleare Kräfte freisetzen und übertragen, wenn sie durch einen bestimmten synthetischen Kristall geleitet werden. Phaser sind für eine Mission eines Außenteams eine praktische Sache. Sie können Steine oder Kaffee erhitzen, sie können sich durch Felsen schneiden (thermale Energie), Menschen betäuben oder Energieflüsse unterbrechen (elektrische Energie) oder als Energiequelle dienen (Strahlungsenergie). Bei einer hohen Einstellung kann ein Phaser mühelos die Kohäsion zwischen Zellen auflösen und eine Kettenreaktion auslösen, die ein Subjekt auf Zellniveau buchstäblich verbrennt. Es ist keine große Überraschung, dass wir heute über eine Reihe „fortschrittlicher“ Waffen verfügen, die sich in einigen, aber längst nicht in allen Punkten den Fähigkeiten eines Phasers nähern. Im kleinen Stil werden Laser eingesetzt, um Entfernung mit hoher Präzision zu messen, um Löcher zu bohren und um Gewebeschichten auf Narben, Hornhäuten und Tätowierungen zu entfernen. Das Militär setzt Laser routinemäßig ein, um Marschflugkörper zu erfassen, und abzufangen. Im März 1998 gab es einen Bericht über einen erfolgreichen Test eines Gerätes, das man wohl am besten als Laserkanone bezeichnen kann. Gegenwärtig wird von einer Reichweite von nicht ganz 500 Kilometern gesprochen, was noch sehr weit von den 350.000 Kilometern entfernt ist, die als taktische Reichweite eines Schiffes der Akira Klasse gilt. Aber es ist immer noch genug, um einen Marschflugkörper im Flug zu erwischen oder um einen treuen Fan von Akte X einige schlaflose Nächte zu bereiten. Was persönliche Waffen angeht, so sind wir immer noch auf Projektile angewiesen um einen anderen zu verletzen oder zu töten. Derzeit gibt es keine Laser, die als Handwaffe genutzt werden könnte. Eine Phasereigenschaft, der wir uns dagegen viel stärker nähern ist der Einsatz von Waffen, der keine Opfer fordert. Zum Glück rebelliert unser Gewissen oft genug bei dem bloßen Gedanken einen anderen zu töten, gleichzeitig ist der Bedarf an Verteidigungswaffen gewachsen. Elektrizität-erzeugende Energiewaffen bieten Alternativen, die sich in zwei große Kategorien unterteilen: Betäubungswaffen und die leistungsfähigeren EMD-Technologien (Electo-Muscular-Disruption). Beide Energiewaffen erzeugen massive statische Energieladungen. Bei einer geringen Ladung unterbrechen sie die Kommunikation des zentralen Nervensystems mit dem Körper und hindern das Gehirn daran, die motorischen Fähigkeiten zu kontrollieren. Bei hoher Ladung schalten sie das zentrale Nervensystem völlig aus, Angreifer werden dadurch nicht nur betäubt, sondern regelrecht gelähmt. Nachteilig ist dabei, dass es bei den meisten Waffen erforderlich ist, den Angreifer mit der Waffe zu berühren – und das birgt erkennbare Risiken. Da die Entladung zudem mit einer relativ niedrigen Amperezahl erfolgt, kann es sein, dass manche Menschen, die eigentliche Wirkung hinnehmen, und somit lange genug Fit sind, um immer noch Schaden anzurichten. Eine erfindungsreichere Abwandlung dessen ist der „Taser“ (Thomas A. Swift Eletric Rifle). Dieser hat sich des Berührungsproblems angenommen und verwendet komprimierten Stickstoff, um zwei knapp fünf Meter lange Kabel mit angeschlossenen Sonden die sich in die Haut bohren abzufeuern. Wenn die ihr Ziel treffen, wird der Angreifer 50.000 Volt ausgesetzt, was genügt, um ihn zu Fall zu bringen. Erstaunlicherweise kommen alle diese Geräte mit recht bescheidenen Energiequellen aus – normalerweise ein Satz AA oder 9 Volt Batterien, die auch in vielen Haushaltsgeräten Anwendung finden. Das hindert sie aber nicht, eine gewaltige Voltzahl zu erzeugen, die problemlos zwischen 20.000 und 30.000 Volt liegen kann. Die EMD-Waffen bringen es sogar auf 250.000 Volt. Klingt das tödlich? Ist es aber nicht, immerhin kann ein statischer Schlag von einem Türgriff oder ähnliches sich bereits auf 15.000 Volt belaufen! Es gibt damit zwar immer noch keine Strahlenwaffe, wie wir sie aus der Sci-Fi kennen, keine veränderbare Einstellung, und auch kein cooles Geräusch beim abfeuern, und trotzdem ist der Weg von diesen Waffen zu einer Art Phaser vielleicht gar nicht so weit wie es auf den ersten Blick scheint. Wenn wir einen herkömmlichen Laser verwenden können, und einen Weg finden, mit diesem Strahl eine statische Ladung zu übertragen, sind wir schon fast da. In jedem Fall besteht das Problem darin, die statische Ladung zu kontrollieren – sowohl hinsichtlich ihrer Intensität als auch ihres Kurses – um einen Weg zu finden, dass die Ladung nicht über eine größere Entfernung abnimmt. Eine schwache statische Ladung kann zwar die Nackenhaare des Gegners zum aufrichten bringen, aber ein angreifender Mugato lässt sich so kaum abwehren. Es will zu hoffen sein, das die Menschheit sich von immer zerstörerischen Vernichtungswaffen abwendet, um sich effizienteren Methoden zum Schutz zuzuwenden. Diese Sensibilität war es doch, die Gene Roddenberry sich für Star Trek vorgestellt hat. |
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