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Warpreisen im Trek-Universum – Nötig aber nicht
realisierbar?
 Über keinen Aspekt der Serien ist mehr geschrieben und mehr Technokauderwelch
ins Leben gerufen worden, als über die Warptechnologie in Star Trek. Man muss
nur an jede Szene in einer Episode denken, die im Maschinenraum spielt. Dazu
kommt, dass die Star Trek Encyclopedia über mehr als zwei dutzend Einträge und
mehrere dutzender Querverweise verfügt, was auch für die CD-Rom Omnipedia gilt.
Das Star Trek Technical Manual verwendet mindestens zwanzig Seiten und
Illustrationen darauf, und sogar im DS9 Technical Manual finden sich
Erläuterungen und Illustrationen zum Antriebssystem der Defiant und der
Runabouts. Dabei muss man natürlich immer bedenken, dass die Warp-Technologie
das Star Trek Universum überhaupt erst ermöglicht.
Es ist relativ schnell klar, dass das Universum eine sehr große Sache ist, die
für den normalen Menschen in seiner gesamten Komplexität schwer vorstellbar ist.
Mit Lichtgeschwindigkeit (rund 300.000 Kilometer pro Sekunde) ist das nächste
Sternensystem Alpha Centauri soweit entfernt, dass die Reise dorthin vier Jahre
dauern würde. Wenn das zu nah ist, wie wäre es denn mit Aldebaran? Die
Entfernung beträgt 68 Lichtjahre. Und wenn es mal richtig weit weg gehen soll,
dann vielleicht Deneb? 1600 Lichtjahre. Für die Reise hin und zurück muss man 36
Jahrhunderte veranschlagen – in etwa der Zeitraum, der zwischen dem Bau der
Pyramiden und unserer Neuzeit liegt.
Laut Einsteins Relativitätstheorie ist das durchaus möglich. Wenn man sich nahe
der Lichtgeschwindigkeit bewegt, vergeht die Zeit langsamer – bloß nicht für die
Leute, die zu Hause geblieben sind. Für die Crew vergehen nach Alpha Centauri
scheinbar nur vier Jahre, obwohl tatsächlich Jahrhunderte verstreichen.
Allerdings ist das mit der Crew so eine Sache für sich. Einstein hat gezeigt,
dass es für jegliche Masse unmöglich ist, sich mit Lichtgeschwindigkeit oder
sogar noch schneller zu bewegen. Mit 99,999 Prozent der Lichtgeschwindigkeit zu
reisen ist also in Ordnung?
Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit und seine Konsequenzen sind wiederkehrende
Themen in der spekulativen Sci-Fi gewesen. Nach Einsteins Relativitätstheorie
mussten sich die Autoren in zunehmenden Maß entscheiden ob sie sich mit der
neuen kosmischen „Geschwindigkeitsbegrenzung“ befassen oder sie einfach
ignorieren wollten. In der Regel entschieden sie sich für letzteres, bis John
Campbell 1931 das Problem geschickt umgangen hatte, indem er in seinen
Geschichten von Versionen der Raumverzerrungs- und der Hyperraumtechnologien
(später Subraum) sprach. Die Sterne waren wieder zum greifen nah, und die Sci-Fi
Literaten sprangen Scharenweise auf den Zug auf. So auch Gene Roddenberry in
seinen ersten Entwürfen von „Andromeda“ und „Earth: Final Conflict“.
Aber in Star Trek war der Warpantrieb eine zwingende Notwendigkeit. Er war das
zentrale Handlungselement, das es erlaubte eine große Bandbreite verschiedener
außerirdischer Zivilisationen, Herausforderungen an die Menschheit und
gesellschaftliche Kommentare zu präsentieren. In gewisser Weise war diese
Technologie auch eine Metapher für Roddenberrys Zukunftsvision: eine menschliche
Zivilisation, die endlich gelernt hatte, ihre Leidenschaften und ihre
Technologien zum nutzen aller zu kontrollieren.
Welche Macht könnte eine Kraft erzeugen, um Warpgeschwindigkeit zu erreichen?
Der Gedanke, irgendwie die Lichtgeschwindigkeit zu übertreffen, war so immens,
dass er eine gleichermaßen immense Energiequelle benötigt, die leistungsfähiger
war, als alles, was bereits existierte. Herkömmlicher Raketentreibstoff stand
nicht zur Debatte, das gleiche galt für Kernspaltung und gilt noch heute für den
theoretischen Nachfolger, die Kernfusion. Damit gab es nur noch eine Möglichkeit
mit einer halbwegs wissenschaftlicher Grundlage: Die gewaltige Energie, die bei
einer Materie-Antiematerie-Reaktion freigesetzt wird – 100 Mal stärker als eine
Fusionsreaktion und ohne jegliche Abfallprodukte.
Der britische Theoretiker und Physiker Paul Dirac erklärte 1928 als erster, dass
Antimaterie existieren könnte. Er stellte die Theorie auf, dass ein Partikel
existiert, das mit einem Elektron identisch ist – bis auf seine elektrische
Ladung. Bestätigt wurde seine Theorie 1932, als der amerikanische Physiker Carl
Anderson ein Anti-Elektron bzw. Positron entdeckte.
Bei einem normalen Atom sind Elektronen negativ geladen, Protonen positiv, und
die Neutronen sind neutral. Bei der Antimaterie tauschen Elektron und Proton
ihre Ladung. Das Elektron ist positiv, das Proton (jetzt ein Antiproton) ist
negativ. Sonderbarerweise bleiben Neutronen nicht ausnahmslos neutral, sondern
zeigen eine Reaktion, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, da
dieser Artikel ansonsten den Rahmen dieser Zeitschrift sprengen würde. In jeder
anderen Hinsicht – Masse, Drehung, Verhalten in der Schwerkraft, teilweiser
Zerfall - scheinen Antimaterie-Atome aber denselben physikalischen Gesetzen zu
gehorchen wie ihre normalen Gegenstücke.
Materie für einen Materie-Antimaterie-Antrieb zu finden, ist eine Leichtigkeit.
Nahezu jede Materie ist geeignet. Bei Star Trek erfüllt Deuterium einen
doppelten Zweck, da es als Triebkraft für die Fusion und für das
Antimaterie-Antriebssystem dient. Aber selbst wenn man eine Materie gefunden
hat, stellen sich uns vier große Herausforderungen auf dem Weg zu einer
praktikablen Materie-Antimaterie-Energiequelle.
Unsere erste Herausforderung besteht darin, dass es nicht sehr viel Antimaterie
gibt – aus einen einfachen Grund: Sie zerstört sich und eine entsprechende Menge
normaler Materie, sobald es zum Kontakt kommt. Sie zu finden und zu sammeln, ist
demzufolge keine Lösung. Natürlich können wir sie unter Laborbedingungen
herstellen, aber wir erhalten nur winzige Mengen, die zudem nicht lange
überleben.
Zweitens verfügen wir nicht über Aufbewahrungsmöglichkeiten, die es uns
erlauben, einen Antimaterie-Vorrat sicher zu lagern, und auch nicht über die
Technologien, um sie zu nutzen. In allen fundamentalen Sicherheitsaspekten ist
die Arbeit mit Antimaterie damit vergleichbar, das Plasma für einen
Fusionsreaktor aufzubewahren. Man benötigt hundertprozentig effektive
Magnetfelder oder Flaschen, damit sie nicht mit normaler Materie in Berührung
kommt. Anders als bei einer Fusionsreaktion muss die Antimaterie ständig
umschlossen werden, nicht nur für die Reaktion selbst. Wegen der Heftigkeit
einer Reaktion würden wir das wohl in der sicheren Umgebung draußen im All
machen, nicht aber auf der Erde.
Drittens sind zur Zeit die Kosten für die Produktion von Antimaterie unglaublich
hoch. Ein Milligramm bewegt sich bei rund 100 Milliarden Dollar, und diese Menge
haben wir bislang noch nicht einmal erschaffen.
Schließlich – und das dürfte der wichtigste Punkt sein – ist wesentlich mehr
Energie erforderlich, um Antimaterie zu produzieren, als wir aus einer
kontrollierten Reaktion zurückgewinnen könnten.
Vielleicht ändert sich dies, wenn für den Einsatz im großen Stil höhere Mengen
produziert werden, doch in absehbarer Zukunft, erscheinen Spaltung und Fusion
erheblich effizienter.
Bevor aber jetzt der Eindruck entsteht, dass wir Menschen des 21 Jahrhunderts
intellektuell hoffnungslos überfordert sind, sollten wir daran denken, dass es
auch im Star Trek Universum Probleme mit dem Materie-Antimaterie Antrieb gibt.
Allerdings haben diese Probleme weniger mit dem Verstehen zu tun, als vielmehr
mit der Beherrschung dieser Energie. Antimaterie ist eine gefährliche Sache. Bei
einem Warpkernbruch eines Raumschiffes bleibt nicht mehr viel übrig. Diese
destruktive Kraft hat man sich nicht umsonst für die Waffentechnik patentiert.
Der Photonentorpedo ist im Prinzip nichts anderes als ein kleiner
Materie-Antimaterie-Reaktor. Bis zu seinem Ziel nutzt er eine kontrollierte
Reaktion als Antriebsmöglichkeit, schlägt er jedoch auf, werden die beiden
Felder, die verhindern, das sich die Materie mit der Antimaterie verbinden kann
entfernt, so dass es zu einer unkontrollierten Reaktion kommt. Beide Stoffe
heben sich gegenseitig auf und produzieren Energie.
Aber die Anwendung eines Materie-Antimaterie Antriebs bewegt sich nicht mehr nur
auf dem spekulativen Wege. Erst 1998 befassten sich die Wissenschaftler des
Marshall Space Flight Center der NASA ernsthaft damit, einen derartigen Antrieb
für unbemannte interstellare Sonden zu entwickeln, von denen die erste 2035 auf
die Reise geschickt werden soll. Nach Star Trek-Maßstäben wären sie zwar immer
noch langsam, aber sie würden immerhin 0,3 Prozent der Lichtgeschwindigkeit
erreichen – und das wären gute 3,5 Millionen Stundenkilometer schneller als jede
andere Sonde, die bislang gestartet wurde.
Aber auch bei der Geschwindigkeit würde es immer noch 1340 Jahre dauern um den
eingangs genannten Alpha Centauri zu erreichen – wenn wir überhaupt dorthin
wollen. Vielleicht ja… und dann können wir immer noch hoffen, dass uns unterwegs
die Enterprise einholt.
Bis dahin sollten wir einfach mit unserer eigenen Geschwindigkeit voranschreiten
und UNSER Universum erkunden!
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