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Gene Roddenberrys Andromeda
Es gibt nicht viele unter uns, die Andromeda allzu sehr vermissen dürften, denn diese Serie, trotzdem sie vom Star Trek Schöpfer Gene Roddenberry stammt, hat nicht gerade für einen Meilenstein in der Science Fiction gesorgt. Dennoch werde ich sie mal kurz beleuchten.
Zu dem Zeitpunkt, als die personifizierte Gottheit aller Trekkies, Gene Roddenberry (*19. August 1921 - †24. Oktober 1991), starb, hinterließ er neben seinem Star Trek Universum noch Ideen für weitere Serien und Filme, die er gerne umgesetzt gesehen hätte. Die erste, die nach Trek das Licht der Welt erblickt hatte, war Earth – Final Conflict (Mission Erde – Sie sind unter uns), die von Roddenberry’s Witwe Majel Barret Roddenberry (Lwaxana Troi/Nurse Chappel) zum Leben erweckt wurde. Aufgrund des Namens >Roddenberry< in den Produktionstiteln wurde die erste Staffel zu einen Erfolg. Doch der hielt nicht lange an. Die Fans, die Star Trek kannten, und nun sehen wollten, was diese neue Serie von Gene Roddenberry ist, sprangen schnell ab, und lediglich eine kleine Genregemeinschaft blieb am Ball, was der Serie kein allzu langes Leben bescherte. Majel Barret versuchte sich zusammen mit dem DS9 Autor Robert Hewitt Wolfe am nächsten Projekt dessen Ideen ihr hinterlassen wurden: Andromeda.
Majel Barret und Wolfe hatten einen ca. 35 cm hohen Stapel an Arbeitsnotizen aller Art aus dem Nachlass von Gene Roddenberry bekommen. Darunter befanden sich Notizen zum Konzept von "Andromeda", eines von mehreren Projekten, das Roddenberry bereits in den 70er-Jahren starten wollte. Daraus sind die Grundelemente der Serie entnommen: ein nicht-organisches, aber lebendes Raumschiff; ein Held, der durch eine Zeitreise in eine chaotische Zukunft geworfen wird, und natürlich der Versuch, aus dem Chaos etwas Neues zu erschaffen. "Die Grundidee von ‚Andromeda' ist es, eine Zivilisation wiederherzustellen und gegen die Barbarei zu schützen", sagt Wolfe über das Projekt. Allerdings hat - im Gegensatz zu "Mission Erde - Sie sind unter uns" - kein echtes Drehbuch zu "Andromeda" vorgelegen. Deshalb mussten viele der Nebenfiguren neu entwickelt werden, und auch die Technik wurde an den heutigen Ideenpool der Science Fiction angepasst.
Plot: Die Zukunft in etwa 13 000 Jahren: Die Menschheit ist Teil eines intergalaktischen Commonwealth, gegründet von den Vedranern, das friedlich über die drei Galaxien Milchstraße, Andromeda und Magellan herrscht. Doch schon seit Jahren kündigt sich Unheil an. Nur mit Mühe konnten die Magog abgewehrt werden, und der Friedensvertrag von Antares, in welchem das Commonwealth Frieden mit den Magog schloss, stimmt die Nietzscheaner (genetische Übermenschen) unzufrieden. Dylan Hunt, der Captain des Flaggschiffs Andromeda Ascendant, eines schweren Kreuzers der Glorious Heritage Klasse, wird zu einem Notfall gerufen. Das schwarze Loch im Hephaistos-System solle expandieren und drohe alles zu vernichten. Doch als die Andromeda dort eintrifft, sieht sie sich einer gewaltigen Armada aus mehreren tausend nietzscheanischen Schiffen gegenüber, die sofort das Feuer eröffnen. Hunt sieht die einzige Möglichkeit darin, das Schiff zu evakuieren und einen gewagten Fluchtversuch unter Ausnutzung der Gravitation des schwarzen Loches zu machen, da ein Kampf aussichtslos wäre. Sein erster Offizier, Gaheris Rhade, ein Nietzscheaner, verrät ihn jedoch, und während eines Zweikampfs auf der Brücke treibt die Andromeda in den Ereignishorizont der Singularität ab und wird in der Zeit eingefroren. 300 Jahre später ist vom Glanz des Commonwealth nach einem blutigen Bürgerkrieg nichts mehr übrig. Technologie und Gesellschaft sind weit zurückgeworfen worden. Das Bergungsschiff Eureka Maru unter dem Kommando von Captain Rebecca "Beka" Valentine birgt die Andromeda im Auftrag des Schurken Gerentex, um sie, und besonders ihre überlegenen Waffensysteme, zu verkaufen. Damit läuft die Zeit auf der Andromeda wieder normal. Für Captain Hunt sind jedoch gerade einmal ein paar Minuten vergangen, obwohl das Universum sich dreihundert Jahre lang weiterbewegt hat. Nach einem Katz und Maus-Spiel mit der Besatzung der Eureka Maru sowie mit einem Söldnertrupp unter dem Kommando von Tyr Anasazi gelingt es Dylan Hunt, die Maru-Crew und Tyr auf seine Seite zu ziehen, nachdem Gerentex sie beinahe umgebracht hätte. Mit einer bunt zusammengewürfelten und wenig disziplinierten Truppe macht sich Dylan Hunt unerschrocken an seine selbst gewählte Aufgabe: Das Commonwealth muss wiederauferstehen!
Die Crew:
Captain Dylan Hunt
Beka Valentine
Beka kann nach Lust und Laune ihre Haarfarbe verändern, da sie in ihrer Jugend von ihrem Vater Nanobots in ihre Haare implantieren ließ. Beka Valentines Gründe, sich der Crew der Andromeda Ascendant anzuschließen, sind nicht ganz uneigennützig. Sie hofft, dass sie Dylan - falls er eines Tages die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens einsieht - zu lukrativeren Unternehmungen überreden kann.
Tyr Anasazi
Tyr Anasazi stammt vom zerstörten Kodiac Clan, dessen Untergang er als Kind überlebte. Er liebt Waffen und ist der Ansicht je größer desto besser, womit er das genaue Gegenteil von Captain Dylan Hunt ist.
Rev Bem
Der Name Rev Bem ist die Kurzform von Reverend Behemiel der Weitgereiste.
Trance Gemini
Seamus Harper
Telemachus Rhade
Der Nietzscheaner Telemachus ist die genetische Reinkarnation von Gaheris Rhade, jenem ersten Offizier, der vor 300 Jahren zusammen mit Captain Hunt auf der Andromeda gedient und ihn verraten hatte. Er ist Teil einer kleinen Gruppierung von Commomwealth Nachkommen, die ihre Werte auch nach 300 Jahren noch nicht verloren hatten. Nach Gründung des neuen Commomwealth durch Dylan Hunt schließt er sich der Crew der Andromeda an, und dient als Ersatz für Tyr an der Waffenkonsole.
Andromeda
Andromeda, liebevoll von ihrer Mannschaft "Rommie" genannt, ist die Verkörperung des Schiffscomputers und so weit bekannt die höchstentwickelte künstliche und fühlende Lebensform. Am Ende der vierten Season wird Rommie zerstört. Alles was übrig blieb, war ihr teilweise zerstörter Kopf und der Kern der KI. Nachdem Harpers erster Versuch, sie wiederherzustellen, scheiterte, stand sie ihrer alten Crew feindlich gegenüber und tötete sich dann selbst. Schließlich wurde die KI von Rommie in einen neuen, wiederum von Harper erschaffenen Avatar mit goldenen Haaren transferiert.
Kritik:
Die ersten zwei Staffel bieteten dem SciFi Fan noch eine halbwegs gelungene TV-Unterhaltung, trotz unzeitgemäßer Special Effekts und einem stets zu präsenten Captain Hunt. Bemängeln kann man bis dahin zwar bereits einiges, wie die oft obskuren und unrealistischen Handlungen, aber Staffel 3, 4 und 5 sorgten dann dafür, das man sich fragt, ob die Drehbuchautoren gerade auf Crack oder Ecstasy waren. Handlungsbögen, die in Papierform vielleicht fünf oder sechs Zeilen gebracht hätten, wurden da gnadenlos verfilmt, so dass man als Zuschauer nur noch mit offenem Mund dastehen kann. Zuletzt wurden die Story-Arcs gar nicht mehr weiter verfolgt, was aus der ganzen Serie später eine Farce machte. Weiterer Kritik-Punkt stellt der Captain dar. Nichts gegen Kevin Sorbo, der „Das ist kein Jim Beam“ Mann. In Hercules hatte er eine überzeugende Darstellung geliefert, doch auf der Brücke einer SciFi-Serie hat er nichts zu suchen. Seine Beharrlichkeit an das Gute in den Menschen zu glauben lässt ihn nach einer Zeit als naiver Volltrottel dastehen, wie anderes ist es zu erklären, dass er Beispielsweise Tyr immer wieder in die Crew aufnimmt, obwohl der ihn mehr als einmal verrät, und dieses auch noch offen zugibt. Er mag zwar die moralischen Ansichten eines Captain Picard haben, doch dieser hätte Tyr schon längst arrestiert.
Fazit: Gene Roddenberry’s Andromeda hatte eine gute Grundidee, aus der man viel mehr herausholen könnte. Leider wurde sehr viel verschenkt, so da man gegen Ende eigentlich froh sein konnte, dass es die Serie nur bis zur fünften Staffel geschafft hatte, und nicht noch weiter produziert wurde.
Text by Thomas Raube
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