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Star Trek und die Wirklichkeit
Irgendwann in der Zukunft...
Bei Wolf 359 kommt es zu einer verheerenden Schlacht gegen die Borg; die Enterprise-D erleidet verheerende Verluste durch ein Antimaterieleck, während sie in einer Zeitschleife gefangen ist; ein klingonischer Bird of Prey zerstört Pioneer X. Irgendwo zwischen diesen mitreißenden, aber erfundenen Szenarien findet sich immer eine wichtige Komponente, die Star Trek zu der Legende werden ließ, wie wir es heute kennen, - die Tatsache. Wolf 359 ist der Erde drittnächster Stern, er ist 7,5 Lichtjahre von der Erde entfernt und im Sternzeichen Löwe zu finden. Astronomen haben vor kurzem einen Antimaterie-Brunnen entdeckt, der Antimaterie in der Milchstraße freisetzt. Und die NASA startete 1972 die Sonde Pioneer X, um die Planeten Jupiter und Saturn zu erkunden (außerdem ist sie das erste von Menschenhand erschaffene Objekt, das bis heute das Sonnensystem der Erde verlassen hat). Einem beständigen Fluss an erstaunlichen Entdeckungen und technologischen Fortschritten in den letzten vierzig Jahren ist es zu verdanken, dass die Produzenten, Autoren und wissenschaftlichen Beratern von Star Trek (und auch anderen Serien) oft den Zuschauern auf unterbewusste Weise etwas beibringen und sie so näher an die letzte Grenze heranführen. Im Gegenzug erzeugt die Faszination von Trek eine Atmosphäre, die Menschen dazu bringt, sich über die realen Möglichkeiten eines Warpantriebes oder der Entdeckung von außerirdischen Leben Gedanken zu machen. Es steht außer Frage, dass viele Fans eine Karriere eingeschlagen haben, auf die sie durch Gene Roddenberrys Zukunftsvision gebracht wurden. „Wenn es eine Sache gibt, die mich zutiefst befriedigt, dass ich an Star Trek beteiligt war“, sagte Leonard Nimoy einmal, „dann ist es jener Moment, in dem ein Wissenschaftler oder ein junger Astrophysiker zu mir sagt: ‚Ich bin durch Star Trek auf die Wissenschaft aufmerksam geworden.‘“ Wie viel näher aber sind wir inzwischen der Zukunft von Star Trek gekommen? Kehren wir zunächst einmal ins Jahr 1966 zurück. Als die Original Serie im Fernsehen lief, hatte noch kein Mensch den Mond betreten (es hatte „lediglich“ einen Weltraumspaziergang gegeben), Wurmlöcher fand man nur in faulen Äpfeln und Raumstationen wurden mit Lego-Steinen gebaut. Aber Gene Roddenberry hielt steht's engen Kontakt zu vielen großen Persönlichkeiten der Sci-Fi-Literatur, darunter Isaac Asimov, oder auch den Wissenschaftlern der Weltraumorganisationen. Mit ihnen diskutierte er über Kometen, Schwarze Löcher, Nebel und andere Phänomene, die in Star Trek einfließen konnten. „Es war immer die Absicht da, für alles eine potentielle wissenschaftliche Grundlage zu haben, was wir in der Serie als real ansahen“, so Nimoy. „Auch wenn es Sci-Fi war, wurde immer die Frage gestellt, ob das wohl eines Tages möglich sein könnte.“ In der heutigen Zeit heißt es sogar, Requisiten und Vorgänge zu entwickeln, die nicht nach dreißig Jahren von der Realität eingeholt werden. Man bedenke nur die Kommunikatoren der Classic Serie mit den heutigen Handy’s. Schon damals begann der Trend, Planeten nach wirklich existierenden Sternen und Sternenhaufen zu benennen. Pollux IV (Der Tempel des Apoll) leitet sich ab vom südlichsten der beiden Sterne in der Konstellation Zwilling; Pleiades (Platos Stiefkinder) ist ein Sternenhaufen von 400 bis 500 Sternen, der von unseren Sonnensystem ungefähr 415 Lichtjahre entfernt und in Richtung des Sternzeichens Stier gelegen ist; Deneb IV (Der Mächtige/Mission Farpoint) ist Teil der Konstellation Cygnus- Sternzeichen Schwan. Daneben werden immer wieder Raumschiffe und Shuttles nach bekannten Astronomen und Weltraumpionieren benannt, darunter Galileo, Goddard oder Tsiolkovsky. In der Folge vermischen sich in den Filmen und Serien Fakten und Fiktion, während zugleich neue Entdeckungen und Theorien eingearbeitet wurden. Die Zuschauer machten so die Bekanntschaft mit kosmischen Bändern, Tachyonen, Quasaren und anderen astronomischen Erkenntnissen.
„Binärpulsare: Die Schwerkraft zwischen ihnen ist so gewaltig, dass alles im Umkreis von 50 Millionen Kilometern hineingezogen wird.“
Commander Chakotay in „Verwerfliche Experimente“
Wenn Sätze wie dieser Authentizität erfordern wenden sich die Produzenten regelmäßig an den wissenschaftlichen Berater Andre Bormanis. Er hat buchstäblich ganze Bände an Notizen und Daten für mehr als 400 Episoden des Franchise geliefert. Dank mehrere Abschlüsse auf dem Gebiet der Physik, einer echten Begeisterung für die Erforschung des Weltalls und einer engen Beziehung zur NASA ist er auch weiterhin ein unschätzbarer Vorteil für die Plausibilität in Star Trek. „Wir haben noch nie etwas gemacht, was völlig aus der Luft gegriffen wurde“, sagte Bormanis. Allerdings hat sich seit den frühen Star Trek Tagen die Recherche drastisch geändert.
„Es ist heute viel einfacher, Dinge in Erfahrung zu bringen“, merkt Bormanis an. „Heutzutage sind viel mehr Publikationen zugänglich, da Wissenschaftler verstärkt unter dem Druck stehen ihre Entdeckungen zu veröffentlichen.“ Manchmal gehen Bormanis Beiträge über das simple liefern von Notizen hinaus. Fotos, die Bormanis mit seinem eigenen Teleskop aufgenommen hat, wurden beim Design des astrometrischen Labors in Voyager verwendet. Eine atemberaubende Aufnahme des Hubble-Telskop, die er an Michael Piller gab, war mit eine Inspiration für den ominösen Briar Patch Nebel, den wir in Star Trek IX Der Aufstand sehen konnten. Produktionsdesigner Herman Zimmerman benutzte ebenfalls Bilder des Hubble-Teleskops, um spektakuläre Designs für die stellare Kartographie in Star Trek VII Treffen der Generationen zu entwickeln. Seit dem Start von TNG haben sich die Produzenten einiger Mitarbeiter aus dem Produktionsstab bedient, die inzwischen zu technischen Beratern geworden sind. Damit prüfen sie, ob auch alles akkurat und glaubwürdig ist. Die bekanntesten Namen dieser Helfer hinter den Kulissen: Senior Illustrator Rick Sternbach, der für seine Arbeit einen Emmy gewann und Scenic Art Supervisor Michael Okuda, der für beinahe jeden Monitor und Bildschirm verantwortlich war, der je in Trek zu sehen war. Sie tragen dazu bei, dass Drehbücher einen Sinn ergeben, ohne dabei die Ideen der Autoren zu verwässern. „Viele Leute, die sich Star Trek ansehen, sind wissenschaftlich sehr interessiert und bewandert“, erklärt Sternbach. „Und wenn wir schon mal mogeln, dann wissen die zu schätzen, dass wir versuchen auf intelligente Weise zu mogeln." „Es ist eine der wenigen Serien im Fernsehen, die sagt dass Wissenschaft eine gute Sache ist“, so Okuda. „Es ist eine gute Sache, die Ressourcen der Wissenschaft und der Technologie zu nutzen, um erstaunliche und wundervolle Dinge zu leisten und um die Probleme der Menschheit zu lösen, damit wir ein besseres Leben führen können.“ Es besteht gar kein Zweifel daran, dass es eine tolle Sache wäre, mal eben in ein Shuttle zu steigen und zu einer Raumstation wie DS9 zu sausen, aber wie nah an der Realität ist so etwas? Nun, jahrelang plante Japan völlig ernsthaft eine derartige Raumstation. Und heute haben wir ja die ISS im Orbit. Dieses Projekt steht für eine globale Partnerschaft aus 16 Nationen, die 40 Flüge ins All und drei Raumfahrzeuge erfordert: Das Space Shuttle der Amerikaner, die russische Sojus-Rakete und die Proton-Rakete, die ebenfalls die russische Flagge trägt. Bei einem Gewicht von einer halben Million Kilogramm werden sich auf der Raumstation sechs Laboratorien und mehr Forschungseinrichtungen befinden, als auf jeden Raumfahrzeug, das bis heute gebaut worden ist. Okuda und seine Frau Denise hatten sich den Start des ersten Modules der ISS in Florida angesehen, und wurden durch die Startanlage der NASA geführt. Der Besuch hat ihm eine veränderte Ansicht geboten, wie sich die amerikanische Kultur und die Raumfahrtgemeinde über die Jahre hinweg verändert hat. „1966 glaubten viele Menschen, dass die Russen fest entschlossen waren, die U.S.A. zu vernichten.“, sagte er. „ Als Gene Roddenberry dann einen Russen auf die Enterprise brachte, haben sich manche Leute gewundert. Bei dem Shuttlestart den Denise und ich gesehen haben, war es äußerst bemerkenswert, dass ein amerikanisches Raumschiff einen russischen Kosmonauten auf eine Mission mitnahm. Wenn man dann noch bedenkt, dass dieses Raumfahrtprogramm so ist, wie es in Star Trek gezeigt wurde –als ein Symbol dafür, wie wir zusammenarbeiten können - , wie könnte man davon nicht inspiriert sein?“ Vielleicht wird es nie eine Raumstation wie Deep Space Nine geben, aber es gibt Deep Space One und Deep Space Two. DS1 ist ein kleines Raumschiff, das 1998 von der NASA gestartet wurde, um neue Technologien bei der Erforschung des Weltraumes zu testen und um sich Asteroiden zu nähern. DS2 ist eine Mikrosonde, die die Oberfläche des Mars durchdringen und nach gefrorenen Wasser suchen soll.
„Der Weltraum. Vor Jahrhunderten schickte die Menschheit ihre ersten Entdecker in diese Leere. Sie ebneten den Pfad für die erste Kolonieund für die ersten Raumschiffe die für uns aus dem Weltall unser Zuhause gemacht haben.“
Captain Janeway – „Ein kleiner Schritt“
In der Voyager Episode „Ein kleiner Schritt“ heißt es, die erste bemannte Mars Mission landete am 19 Oktober 2032. In der Realität könnte das viel früher der Fall sein. Auch wenn man in letzter Zeit einige Rückschläge hinnehmen musste, ist der Gedanke eine Reise zum Mars zu machen noch lange nicht vom Tisch. NASA Ingenieure testen verschiedene Geräte ,die es zukünftigen Kolonisten ermöglichen soll, selbst Sauerstoff zu erzeugen. Die Ausgabe des Scientific American vom März 2000 widmete sich in einem eigenen Abschnitt ganz dem roten Planeten und stellte dabei drei machbare Pläne vor, von denen einer von dem Mann stammte, der als zweiter den Mond betraf: Buzz Aldrin.
„Ich glaube, dass uns verschiedene Möglichkeiten zu Verfügung stehen, wie wir zum Mars gelangen können. Ich glaube aber nicht, dass wir sagen können, dass ein Nuklearantrieb die einzige Möglichkeit sein wird“, sagte Aldrin, als das Special zum 25 B’Day von Star Trek vorbereitet wurde. „Ich denke, dass es ein Ziel ist, das uns antreiben sollte, was das Voranschreiten unserer Möglichkeiten im Weltall angeht. Ich glaube, dass wir alle Star Trek viel zu verdanken haben, weil die Serie das Bewusstsein der Öffentlichkeit dafür geschärft hat, was uns die Zukunft bringen könnte.“ Der Zukunft zufolge, die in Star Trek I gezeigt wird, wurde Voyager VI Ende der 90 Jahre gestartet. Nun, die NASA hat nur zwei derartige Sonden ins All geschickt, die sensationelle Bilder vom Jupiter und Saturn sendeten. Heute ist die 1977 gestartete Voyager I rund 11 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt und fliegt dem interstellaren Weltall entgegen. Für den Fall dass die Sonde auf Außerirdische trifft, befinden sich Botschaften von der Erde an Bord. Das ist nur eines von vielen früheren Projekten, die Astronomen und Theoretiker auf Trab halten. Es gibt sogar eine Website mit dem Namen „WarpDriveWhen?“, die sich der Möglichkeiten von langen Reisen durchs All verschrieben hat. Wer weiß? Vielleicht wird das Hubble-Teleskop, oder deren Nachfolger schon bald intelligente Lebensformen aus einem fernen Winkel des Universum zeigen.
„Nehmen Sie Kurs auf den Höllenplaneten, Commander“
Captain Janeway – „Der Höllenplanet“
Kehren wir nocheinmal in die 60er Jahre zurück. Wer hätte es sich damals träumen lassen, dass die Enterprise von einer Frau befehligt werden könnte? Sogar als Voyager noch in der Entwicklungsphase steckte, gab es Zweifel, ob man eine Frau in den Sessel des Captains setzen sollte. Würde Janeway das haben, was erforderlich ist, um eine Crew zu befehligen. Ich bin sicher, dass es viele Menschen gibt, die glauben, dass nur hartgesottene Männer das Zeug zum Kommando über ein Raumschiff haben (nicht wahr Chris;-), aber auch hier holte die Wirklichkeit uns wieder ein. Im Jahr ’99 war die NASA Astronautin Eileen Collins die erste Frau, die das Kommando über einen Flug ins All hatte – noch dazu auf einer wichtigen Mission. Sie war für das Aussetzen des Milliarden Dollar teuren Röntgenstrahlen Observatoriums Chadra, das schwarze Löcher, Quasare und Neutronensterne erkunden soll verantwortlich.
Zugegeben, es sind noch viele Probleme zu lösen, bevor wir nach den Sternen greifen können. Aber in unseren besten Denkfabriken kommen genügend entschlossene Gehirne zusammen, um zu glauben, dass es eines Tages dazu kommen wird. „Man kann nie wissen, wann sich der nächste Durchbruch ereignen wird“, sagte Bormanis. „Es gibt so viele Ideen, dass es nur eine Frage der Zeit ist.“
„Wir können nicht vorhersagen, auf was wir hier stoßen können. Die Entdeckung des Unerwarteten muss einkalkuliert werden.“
Tuvok – „Ein kleiner Schritt“
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