|
|
|
||||||||||
|
|
|
|
Moderne Propheten sagen uns, wie wir in Zukunft leben werden. Ihre Prognosen sind mal plausibel, mal wahnwitzig. |
Eine gute Nachricht aus der Zukunft: Ihr könnt euren alten, braunen Ledermatel, den ihr jetzt so hässlich findet, getrost aufheben. Er wird im Jahr 2035 wieder in Mode kommen. Polizist Del Spooner alias Will Smith trägt auch einen im Sci-Fi Film I, Robot.
In gut 30 Jahren werden uns, dem Film zufolge, Haushaltsroboter mit Positronengehirn umsorgen. Sie putzen, kochen und führen den Hund Gassi. Doch die vollautomatischen Helfer sind hinterhältig. Sie verschwören sich und meucheln ihre Programmierer. Mit Millionenaufwand hat Hollywood mal wieder unsere Zukunft inszeniert. Neben Roboter-Schurken drohen uns bekanntermaßen noch Klimakatastrophen (The Day after Tommorrow) Gen Faschismus, (Gattaca) Polizeistaat (Minority Report) und Meteoriteneinschläge (Armageddon/ Deep Impact). Üble Aussichten also. Wenigstens hält die Kinozukunft fast immer eine liebeshungrige Schönheit für den Helden bereits. Doch sieht unsere nahe Zukunft wirklich so aus?
Seit Menschengedenken orakeln wir, was die Zukunft bringt. Futurologie ist das zweitälteste Gewerbe der Welt. Damals noch saß Phyntia im Orakel von Delphi und stieß unverständliche Laute aus, die Vogelkundigen der Römer, Auguren genannt, trafen ihre Prognosen an Hand des Flugverhaltens der Vögel, und Wahrsagerinnen blickten in runde Kristallkugeln. Heute sind es flache Bildschirme. Die U.S.A. investiert Milliarden in Think-Tanks zum Thema thermonuklearer Krieg.
Zukunftsforschung ist die Kunst, sich zu kratzen bevor es juckt, sagte der Schauspieler Peter Seller. Die Männer vom Fach haben nicht mal ein konkretes Forschungsobjekt- die Zukunft existiert schließlich noch nicht.
Die Ideen der Wissenschaftler sind oft dennoch erstaunlich visionär. Robert Sloss etwa notierte im Jahr 1909 für das Buch ‚Die Welt in 100 Jahren‘: Die Bürger jener Zeit werden überall mit ihren Drahtlosen Empfänger herumgehen können, der im Hut oder anderswo angebracht sein wird. Heute haben wir Handy und Freisprechfunktion. Sloss wurde für sein Westentaschentelefon damals belächelt. Genauso wie eine Projektgruppe an der Freien Universität Berlin. 1975 prophezeiten sie: Die Stadt ist im Jahr 2000 wiedervereinigt, die Sowjetunion existiert nicht mehr. Die Institutionsleitung urteilte: Völlig unsinnige Vorstellungen, und brach das Projekt der Gruppe ab.
Futurologen geht es wie Künstlern. Die Bedeutung ihrer Arbeit wird erst Jahre später offenkundig. Als Meilenstein der Zukunftsforschung gilt der Club of Rome Bericht „Die Grenzen des Wachstums“: Mitten in den 70er Jahren schrieben die Autoren, dass unsere Wirtschaft nicht endlos wachsen könne, und bekamen leider Recht.
Den ersten praktischen Einsatz für Futurologen in der Wirtschaft brachte die Ölkrise 1973. Nur der Konzern Shell war auf die plötzliche, dramatische Versteuerung des Öls vorbereitet. Dessen Wissenschaftler haben unterschiedliche Szenarien entwickelt und die Verknappung des Rohstoffs erörtert. Die Folge: Shell buchte nur kurzfristige Optionen auf Tanker und machte so weniger Verluste als die Konkurrenz.
Eine klassische Technik der Zukunftsforschung ist die Extrapolation. Trends und Entwicklungen werden einfach von der Gegenwart auf die Zukunft hochgerechnet. Aktuelle Technikmethoden werden deshalb schnell zum Heilsbringer der Zukunft. Brainflakes und Potenzjughurt sollen uns klug und ewig zeugungsfähig machen, alles vom Kühlschrank bis zur Hose soll Hochintelligent werden und die Biotechnologie jedes Zipperlein genetisch tilgen.
Schmerzhaft mussten die Klon-und Gen Propheten in den vergangenen Jahren jedoch erfahren, dass sich die Evolution, die ein paar Milliarden Jahre Zeit hatte, nicht so einfach den Rang ablaufen lässt. Das Problem ähnelt der Mathematik: Sobald ein System eine bestimmte Komplexität überschritten hat, ist es nicht mehr berechenbar. So greifen die Propheten zwangsläufig wieder in den Orakel-Orkus.
Die Prognose, dass wir zum Urlaub ins All fliegen können, sind seit jeher Zukunftsvisionen, Noch vor kurzem klang das Versprechen nach Sci-Fi, bis zum 22 Juni 2007, als erstmals ein Privates Raumschiff an diesen Tag die Schwelle des Weltalls in 100 Kilometern erreichte. Die SpaceShipOne gilt jetzt als Durchbruch auf dem Weg zum privat organisierten Weltraumtourismus, der spätestens seit Denis Tito wahr geworden ist.
Ein weiteres Problem der Forscher sind überraschende Wendungen. Der Terroranschlag am 11 September hat auch die Zukunft nachhaltig verändert. Die Forschung greift deshalb neuerdings auf so genannte Wild Cards zurück. Das sind Störereignisse, die die Zukunft unverhofft eine neue Wendung geben können. So begründete Trendjäger Matthias Horx nach dem 11 Sept. gleich neue Szenarien wie das Djihad Age. Ein Zeitalter des Weltweiten Niedergangs. Sein Szenario geht von einer schleichenden Eskalation des Terrors mit zunehmendem Kamikazeterrors aus, der schließlich in den Einsatz von biologischen und Chemischen Waffen mündet. Trendforscher wie Peter Wippermann oder Horx deuten den Kaffeesatz der Lifestyle Literatur und komponieren daraus ihre Zukunftsmusik. Wipperman etwa erfand so das Wort Ich AG. Für ihre eloquenten Prognosen und das Gefühl, auf die Zukunft vorbereitet zu sein, zahlen die Unternehmen satte Honorare.
Mehr als tausend Experten grübeln derweil für Futur. Das Orakel des Bundesforschungsministeriums beschäftigt sich damit, wie wir im Jahr 2020 leben werden.
„Die einzige Vernünftige Prognose, die es heute gibt, ist der Wetterbericht – und selbst der liegt meist falsch“, klagt Futur Projektleiter Gaßner vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin. „Der beste Weg die Zukunft vorherzubestimmen, ist sie zu gestalten“, meint er.
Deshalb entwirft Futur Szenarien, die durch intensives Forschungsengement zu unserer Zukunft werden könnten. Beispiele: Unsere Enkel werden einen Roboter-Terrier als Haustier halten und im Schlaf eine Sprache lernen. Sie werden auf die Analysetoilette gehen, die das morgendliche Geschäft automatisch auf Viren und Bakterien überprüft. Und sie werden einen Ernährungsberater am Handgelenk tragen, der das Obst auf Frische scannt. Dazu sollte der braune Ledermantel eigentlich ganz gut passen.
![]()
|
Aktuelle Zukunfts-Prognosen |
|
2020 ◊ Es gibt keine Medizin mehr, die nicht für individuelle genetische Disposition entwickelt wurde. Gelähmte können sich durch Stimulation der Muskeln wieder bewegen. ◊ Demokratie wird fragwürdig, weil immer weniger Menschen zu Wahlen gehen. Länder wie Singapur und Belgien führen Wahlpflicht ein. ◊ 90 Prozent aller Sprachen sterben aus. Englisch wird Allgemeingut. |
|
2030 ◊ Der letzte Supermarktkassierer wird gefeuert. Einkaufswagen scannen die Preise und buchen den Betrag beim Verlassen des Supermarkts automatisch vom Konto ab. ◊ Mindestens 60 Biotech-Unternehmen arbeiten weltweit an Erinnerungs-und Gedächtnispillen, die das Lernen erleichtern und Intelligenz demokratisieren. |
|
2040 ◊ Informatiker entwickeln einen Computer auf Basis der Erbsubstanz DNS. Der Vorteil: Die Daten brauchen weniger Platz und sind im Gegensatz zu Silizium-Chips unbegrenzt kompatibel und verschmelzbar mit dem menschlichen Organismus. ◊ Sicherheitsdienste erkennen den Menschen anhand des Ganges. Fingerabdruck- und Pupillenscanner gelten als veraltet. |
|
2050 ◊ Weltweit werden nur noch genetisch verändertes Getreide angebaut. ◊ Organe können von Tieren in Menschen transplantiert werden. ◊ In Deutschland lebend doppelt so viele Menschen über 65 Jahre als 2006. |
|
2060 ◊ Aus Autofahren ist Kabinenfahren geworden. Leitsysteme steuern den Verkehr. Staus, Unfälle und Überholen sind vergessene Phänomene. Die Fahrzeuge fahren mit optimiertem Sicherheitsabstand auf immergrüner Welle. ◊ Brainmail löst alle anderen Arten zwischenmenschlicher Informationsübertragung ab. Erstmals werden Bio-Computer ins Gehirn von Schimpansen implantiert. Ein Inter-Neuro-Net ist technisch möglich. ◊ Männer und Frauen nähern sich physiognomisch an. Gentechnik erhöht die Lebenserwartung der Menschen um bis zu 50 Prozent. ◊ China löst Amerika als stärkste Wirtschaftsmacht der Welt ab. |
|
2070 ◊ Auf der Erde leben knapp 9 Milliarden Menschen (Stand 2004: 6,4 Milliarden) 278 Millionen Menschen sind an Aids gestorben. Zwei Drittel der Weltbevölkerung leiden unter Wassermangel. ◊ Das letzte Blatt bedrucktes Papier wird ins Museum gebracht, Brainmail ersetzt alle Kommunikationsformen. ◊ Die Eisbären sterben aufgrund der Klimaerwärmung aus. |
![]()
|
Technische Visionen, die bald wahr werden könnten... |
Das Wellenkraftwerk auf dem Meer: Die gummierte Kunstoffoberfläche ist zwei Quadratkilometer groß. Das Wellenkraftwerk schwimmt auf dem Meer. Es besteht aus 1700 kleinen Kacheln, an deren Unterseite piezo-elektronische Sensoren sitzen. Sie wandeln den physischen Druck der Wellen in elektrische Energie um. Das Wellenkraftwerk soll vor der Küste Kaliforniens ankern und so viel Strom liefern wie ein Atomkraftwerk.
Revolutionärer Raumschiffantrieb: Die Raumschiffe der Zukunft werden nach aktuellen Nasa-Projekten wohl mit Atomkraft und Sonnensegeln angetrieben. Ein Reaktor erhitzt flüssigen Wasserstoff auf 2500 Grad, der dann mit hoher Geschwindigkeit ausströmt. Dieser Rückstoß treibt den Raumgleiter an. Alternativer: Ein riesiges Segel fängt die Photonen der Sonne ein und segelt dank ihrer Energie.
Ein Aufzug ins All: Eine rotierende Raumstation ist am Äquator mit der Erde verbunden. Der Astro-Aufzug müsste unglaublich fest und leicht sein. Mögliches Material: Nanoröhrchen. „Der Fahrstuhl wird 50 Jahre nach dem Zeitpunkt gebaut, an dem die Leute aufgehört haben, über das Konzept zu lachen“, prophezeit Arthur Clark, Arbeitsgruppenleiter bei der Nasa.
![]()
|
Was Zukunftsforscher früher für die Jahrtausendwende vorhersagten... |
◊ „Wegen der vielen Schadstoffe, müssen wir einen Heliumgefüllten Raumanzug tragen“
US-Zukunftsforscher Cornish, 1986
◊ „Verlorene Arme und Beine werden nachwachsen“
Prof. Stonier, Universität Bradford, 1977
◊ „Ausweise und EC-Karte werden einfach als Mikrochip eingesetzt“
britische Regierungsstudie, 1994
◊ „Die meisten Kleinwagen können fliegen oder schwimmen“
US-Institut Resources for the Future, 1963
◊ „Unser Essen kommt größtenteils aus der Tube“
britischer Forscher Dr. Pyke, 1985
◊ „Es gibt Pillen gegen Dummheit und Kriminalität“
Deutsche Gesellschaft zu Förderung medizinischer Diagnostik, 1978
◊ „Künstliche Monde beleuchten die Nachtseite der Erde. Im Berg- und Tiefbau werden nukleare Sprengsätze verwendet. Der Mensch gewinnt Kontrolle über das Wetter und fliegt bemannte interplanetare Raumflüge“
Zukunftsforscher Herman Kahn, 1967
◊ „Japan wird zur Weltmacht aufsteigen, Deutschland wird Polen annektieren und Hockey der neue Trendsport“
Prognose Zeitung „The Brooklyn Daily Eagle“ 1915
__________________________________________________________________________________
STAR TREK, STAR TREK: THE NEXT GENERATION, STAR TREK: DEEP SPACE NINE, STAR TREK: VOYAGER & STAR TREK ENTERPRISE are Registered Trademarks of Paramount Pictures. TM, ® & © by Paramount Pictures. All Rights Reserved.
STARGATE & STARGATE ATLANTIS are Trademarks of Metro Goldwyn Mayer Studios Inc. All Rights Reserved.
FARSCAPE is a Trademark of the Jim Henson Company and Hallmark Entertainment. All Rights Reserved.
Joss Whedon's FIREFLY is a Trademark of Twentieth Century Fox Film Corperation. All Rights Reserved.
Copyrighted material has been used for non-commercial purposes only.