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Meilensteine der
Raumfahrtgeschichte
"Warum es keine rote Fahne auf dem Mond gibt -
das Wettrennen zwischen den USA und der UDSSR"
Auch die Kosmonauten der UdSSR sollten ihre Stiefel in den Mondstaub drücken.
Die sowjetischen Raumfahrt-Ingenieure arbeiteten an zwei getrennten
Geheim-Programmen. Doch obwohl Chruschtschow ein Weltraum-Fan war, scheiterten
die Ansätze - an mangelnder Kooperation.
Kurz nach dem Tode Stalins im Mai 1953 in Moskau. Die Partei-Koryphäen des
Politbüros sind im Kreml zusammengetreten. Auf der Tagesordnung: Wie soll es
weitergehen mit dem sowjetischen Raketenprogramm?
Angesichts der abgehobenen Thematik bereichern Experten die Runde. Das
Führungspersonal staunt nicht schlecht, als der Raketenkonstrukteur Sergei
Koroljow seine Modellpalette zigarrenförmiger Projektile vorführt. Prinzipiell
könnten damit die USA oder auch der Mars erreicht werden. "Ich will nicht
übertreiben, aber wir glotzten wie eine Schafherde, die ein nie zuvor gesehenes
Gatter entdeckt hatte", notierte Nikita Chruschtschow in seinen Erinnerungen.
Chruschtschow, im selben Jahr zu Stalins Nachfolger bestellt, fing Feuer und
wurde zum einflussreichsten Raketen-Fan im Ostblock.
Die Protektion zahlte sich aus. Ab 1957 beeindruckten die Pioniertaten
russischer Raketenbauer. Erster Erdsatellit, erste Mondsonde, erste Mensch im
Orbit - die Sowjets spielten die Amerikaner an die Wand. Präsident Kennedy
setzte auf die Flucht nach vorn und verkündete die bemannte Mondlandung als Ziel
seiner Regierung.
US-Experten, darunter auch Wernher von Braun, hatten Kennedy überzeugt, auf dem
Mond könnten die Russen noch geschlagen werden. Die Aussichten für einen lunaren
Sieg wären deshalb günstig, weil "die jetzige Stärke der sowjetischen Raketen um
das Zehnfache verbessert werden müsste. Wir haben zwar keine entsprechende
Rakete, doch die Sowjets auch nicht", so der Raketenpionier. Bei einem
sofortigen Go sei die nötige Hardware bis 1967 oder 1968 fertigzustellen.
Kooperation wäre ein Zeichen von Schwäche
Die plötzliche Tollkühnheit der ewigen Zweiten erwischte die Sowjets auf dem
falschen Fuß. In Moskau fragte man sich, ob beim aufgedrängten Mondwettlauf
überhaupt ein Sowjet-Team antreten sollte. Eine gemeinsame Mission mit den
Amerikanern kam jedoch nicht in Frage. Kennedy hatte sie Chruschtschow im Juni
1961 vorgeschlagen aber einen Korb bekommen. "Wenn wir versuchen, mit ihnen zu
kooperieren, werden sie erkennen wie schwach wir sind", vertraute der
Generalsekretär seinem Sohn Sergej an, der damals als Raketentechniker im
sowjetischen Raumfahrtprogramm arbeitete.
Chef-Konstrukteur Koroljow nutzte den US-Vorstoß, die zögerliche Sowjet-Führung
für das Raketen-Rennen zum Trabanten zu begeistern. Er träumte bereits seit
langem von einem Außenposten auf dem Erdbegleiter als Sprungbrett zu den
Planeten. Mit Verspätung willigten die behäbigen Bürokraten schließlich ein.
Zwei separate bemannte Projekte genossen fortan die Gunst der Staatslenker: Die
Mondlandung und die Mond-Umkreisung. Die Russen waren wieder im Spiel.
Für das Landeprojekt musste eine neue, gewaltige Rakete her. Das N1 genannte
Ungetüm litt allerdings unter einem Geburtsfehler. Koroljow, konnte bei ihrer
Konstruktion nicht auf die Hilfe des wichtigsten Herstellers für starke
Raketenmotoren unter Walentin Gluschko zählen. Eine alte Feindschaft trübte ihre
Zusammenarbeit.
Es blieb ihm nicht anderes übrig als auf schwachbrüstigere Antriebe ausweichen.
Dreißig gebündelte Exemplare sollten ersatzweise die Himmelfahrt ermöglichen.
Doch mitten in der heißen Konstruktionsphase stirbt Koroljow im Alter von 59
Jahren, sein Nachfolger erbt die Problemrakete. Die Synchronisierung des
Triebwerkbündels erweist sich als Ingenieurs-Alptraum. Die unbemannten Testflüge
geraten zu einer katastrophalen Absturzserie: Die langlebigste unter den N1
findet 107 Sekunden nach dem Start ihr feuriges Ende.
Gleichzeitig trainieren am Boden die Kosmonauten. Alexei Leonow hat sich bereits
als erster Weltraum-Spaziergänger einen Namen gemacht, jetzt soll er mit einer
Fernreise zum Mond belohnt werden. Vorher studierte er in der somalischen Wüste
schon mal die südlichen Sternbilder. Ein Notfall, so die Befürchtung, könnte die
manuelle Navigation für die Rückkehr vom Trabanten erzwingen.
Gesunder Appetit bei den Bord-Schildkröten
Die für die Umkreisung vorgesehene Proton-Rakete war mittlerweile startklar, und
eine neue Raumkapsel für zwei Kosmonauten konstruiert. Doch eine tödliche
Katastrophe versetzte dem Programm einen schweren Schlag: Im April 1967
zerschellte eine Sojus-Kapsel wegen eines fehlerhaften Landefallschirms. Eilig
wurden Konsequenzen gezogen: Mindestens drei erfolgreiche unbemannte Mondflüge
mussten gelingen, so die Order, erst dann könnten Kosmonauten die Kapsel
besteigen.
Auch unbemannt blieb der Erfolg zunächst aus. Dann folgte im September 1968 "Zond
5". Die Kapsel war zwar intakt vom Mond zurückgekehrt, jedoch bei der Landung
vom erwünschten Pfad abgewichen. Interessiert beobachtete das Personal eines
US-Zerstörers ihre umständliche Bergung im indischen Ozean. Zumindest die
Schildkröten an Bord hatten den Mondflug gut überstanden. Ihr gesunder Appetit
wurde als gutes Omen gewertet. Doch zwei Monate später hatte "Zond 6" weniger
Glück. Die Crash-Landung im vorgesehenen Landegebiet hätte kein Kosmonaut
überlebt.
Jetzt bekam auch die CIA Wind von den sowjetischen Umkreisungs-Plänen. Und die
Amerikaner reagierten: Apollo 8, ursprünglich für schnöde Erdumrundungen
vorgesehen, sollte nun schon im Dezember 1968 zum Trabanten aufbrechen. Ein
verzweifelter Brief Leonows und seiner Mond-Kollegen mit der Bitte um
Starterlaubnis blieb ungehört. Zu Weihnachten umkreiste die Apollo-8-Crew als
erste den Mond und wasserte darauf sicher im Pazifik. Die Sowjets strichen
sofort sämtliche bemannten Mond-Umkreisungen.
Auch im Landeprogramm steckte der Wurm. Der vierte Flugversuch der
N1-Riesenrakete scheiterte 1972, einen Monat vor der letzten amerikanischen
Apollo-Mission.
Das rote Mondprogramm war gescheitert, und sein Leiter fiel in Ungnade. Walentin
Gluschko folgte und ließ die überzähligen N1-Raketen zur Metallgewinnung
einschmelzen. Er starb 1989, ohne je den lunaren Lapsus enthüllt zu haben.
Nikitas Sohn Sergej Chruschtschow wurde 1999 US-Bürger und lehrte in Rhode
Island internationale Politik. Der verhinderte Mond-Kosmonaut Alexei Leonow flog
1975 mit einer Sojus-Kapsel zum Meeting mit der US-Konkurrenz. Im Erdorbit
schüttelte er versöhnlich die Hände der Nasa-Kollegen.
by Spacecowboy
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