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Meilensteine der Raumfahrtgeschichte Zu dem Zeitpunkt, als Chris die Kolumne mit dem Namen Meilensteine der Raumfahrt eingeführt hatte, wollte er auch etwas über Laika, dem ersten terrestrischen Lebewesen im All schreiben. Dabei sind wir jedoch in eine kleine Diskussion gekommen, weil er der Meinung war, Laika wäre wieder sicher auf die Erde gekommen, Tom und ich meinten, sie wäre im All gestorben. Da mir meine Hausbibliothek Antwort auf diese Frage geben kann, ob oder ob nicht, hier einen kleinen Ausflug in die 50er Jahre...
Laika Am 4 Oktober 1957 startete der erste Sputnik ins All, und wurde damit das erste von Menschenhand geschaffene Objekt, das die Erde verließ. Dies sollte für immer der Beginn des Raumfahrtzeitalter werden. Zudem begann das Race to Space zwischen den Russen und dem Amerikanern. Die internationale Wirkung von Sputnik wurde von Seiten der Sowjetunion völlig unterschätzt. Während die Amerikaner unter dem „Sputnik-Schock“ litten, erfasste die Russen ein regelrechter „Sputnik-Rausch“. Das ganze Land feierte, war ihm doch noch nie so viel Anerkennung aus aller Welt zuteil geworden. Chruschtschow bestellte Sergej Koroljow, dem Chefkonstrukteur von Sputnik 1 in den Kreml, und forderte von ihm, zu Ehren des 40 Geburtstages der Oktoberrevolution einen weiteren Satelliten zu starten. Diesmal mit einem Lebewesen an Bord. Koroljow wollte widersprechen, da bis zum gesetzten Termin lediglich ein Monat zur Verfügung stand, und in dieser kurzen Zeit kein neuer Satellit konstruiert werden konnte. Koroljow musste sich beugen, und ging zähneknirschend an die Arbeit. Als Lebewesen wurde nicht lange überlegt, einen Hund zu nehmen. Dessen Blutkreislauf und seine Atmung sind der des Menschen ähnlich. Außerdem ist er gelehrig, geduldig und widerstandfähig, was ihn für länger dauernde Experimente besonders geeignet macht. Schon 1949 flogen so genannte „Pawlowsche Hunde“ in den Köpfen sowjetischer Höhenforschungsraketen mit. 1951 stieg ein Hund mit einer Rakete bis zu einer Höhe von achtundsiebzig Kilometer auf, und landete wohlbehalten in seiner Kabine am Fallschirm. Laika jedoch sollte nicht solch ein Glück haben. Die Raumfahrtmediziner begannen zwanzig Tage vor dem Start von Sputnik 2 mit dem Training der Versuchshunde, die sich an die Ausrüstung und den Aufenthalt in der Kabine gewöhnen mussten. Laika schnitt nur wenige Tage vor dem Start als beste ab, und war damit dem Tode geweiht, denn es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Technik, die eine wohlbehaltene Rückkehr auf die Erde ermöglicht hätte. Die sechseinhalb Kilo schwere Laika (zu deutsch: Kleffer) war eine schwarz-weiß gefleckte Mischlingshündin aus dem Hohen Norden Russlands. Sie glich in Größe und Aussehen verblüffend jenem Hund, der auf einer Illustration zu dem Jules Verne Buch „Von der Erde zum Mond“ zu sehen war, das hundert Jahre vorher erschien. Der Bau von Sputnik 2 verlief zum großen Teil Planlos. Sämtliche Regeln die in der Entwicklung der Raketentechnologie galten wurden über den Haufen geworfen, aufgrund der äußerst knappen Zeit. Trotz dessen entstand aus mündlichen Anweisungen und schnellen Produktionsskizzen ein Weltraumgefährt. Der kegelförmige Satellit blieb mit einer Raketenendstufe verbunden, besaß eine Masse von mehr als einer halben Tonne und eine Länge von dreißig Metern. Ein Druckbehälter in der Spitze sollte die Insassin sechs Tage lang am Leben erhalten. Im offenen Zustand glich die Kabine einem elliptischen Nest, dessen Wände mit weichem Material ausgepolstert waren. Ein kleiner Ventilator hatte die Aufgabe die Luft zirkulieren zu lassen, nachdem sie von ihrem Kohlendioxid und Wasserdampfgehalt chemisch gereinigt und wieder mit Sauerstoff versetzt worden war. Die Temperatur sollte ein Hitzeabsorbierender Schutzschirm regeln. Durch einen automatischen Trog erhielt das Tier Nahrung und Wasser in Gelantineform. Die Körperausscheidungen wanderten in einem Gummibehälter, der am Becken der Hündin befestigt wurde. Da es praktisch unmöglich war, in der kurzen Zeit ein zuverlässiges System der Lebenserhaltung zu entwickeln, sahen die Wissenschaftler die schmerzlose Tötung des Tieres vor Augen. Zu diesem Zweck wurde eine Apparatur entwickelt, die Laika, bevor sie Verhungern, Verdursten oder ersticken, mit einer Giftspritze töten würde. Laikas Flug kann keineswegs angenehm gewesen sein. Eine Art Geschirr verband die Hündin mit einem Elektrokardiogramm und einem Bewegungssensor. Leinen beschränkten ihre Bewegungen, so dass sie lediglich stehen, liegen oder sitzen konnte. Mediziner, Biologen und Zoologen verfolgten aufmerksam alle eingehenden Telemetriedaten über Laikas Herz- und Kreislauftätigkeit, Atemfrequenz, Pulsschlag und Blutdruck. Während des Aufstiegs wurde der Rhythmus von Puls und Atmung zunächst schneller, doch mit zunehmender Beschleunigung verlangsamte er sich wieder. Als die Umlaufbahn erreicht war, waren alle biologischen Funktionen wieder normal. Aber dann trat früher als erwartet das ein, was die Weltraumtechniker befürchtet hatten: Laika starb qualvoll an Überhitzung. Sputnik 2 hatte ein Isolierproblem, das die Temperatur in der Hundekabine auf über vierzig Grad anstiegen ließ. Allerdings wurde diese Tatsache 35 Jahre lang geheim gehalten. Sputnik 2 lieferte nur sieben Tage lang Daten, dann brach seine Lagestabilisierung zusammen und verglühte in der Atmosphäre. Chruschtschow jedenfalls konnte den zweiten Sputnik zu den Feierlichkeiten am 7 November präsentieren, während Eisenhower das Nachsehen hatte. Der amerikanische Satellit Vanguard explodierte kurz nach dem Zündbefehl auf der Startrampe. Laika bewies, wenn auch nur für kurze Zeit, das ein höheres Wesen sich an die Schwerelosigkeit anpassen kann, und somit dem Raumflug gewachsen ist. Erst drei Jahre später wurde ein Rückholsystem entwickelt, mit dem weitere Hunde ins All geschickt wurden. Die Bekanntesten Vertreter dieser Zeit waren Bjelka und Strjelka (Eichhörnchen und Pfeilchen) die 1960 zwei Tage im All verbrachten und sicher zur Erde zurückkehrten. Strjelka wurde nach ihrer Rückkehr Mutter von 5 Welpen, von denen es sich Nikita Chruschtschow nicht nehmen ließ, John F. Kennedy nach dessen Wahlsieg zum Präsidenten einen dieser Welpen zu schenken. Von den Amerikanern wurde diese Geste allerdings als Torpedierung auf ihr Selbstbewusstsein verstanden. Ein Jahr nach Bjelka und Strjelka am 12 April 1961 flog Juri Gagarin als erster Mensch ins All. by Thomas Raube |
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