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Film-Kritik „Underworld Evolution“
Vor mehr als einem Jahrtausend rottete die Pest ganze Landstriche aus. Nur ein Mann war Immun gegen diese und andere Krankheiten. Seine DNS mutierte und er wurde zum ersten Unsterblichen. Sein Name war Alexander Corvinius. Corvinius zeugte zwei Kinder, William und Marcus, die die Immunkräfte ihres Vaters erbten. William wurde im Laufe seines Lebens von einem Wolf gebissen, Marcus von einer Fledermaus. Beide übernahmen die DNS ihrer Angreifer und geboren waren die Vampire und die Werwölfe (Lycaner genannt). Schlimmer noch war, dass ein einziger Biss ausreichte, normale Menschen in einen von ihnen zu verwandeln. Wegen einer verbotenen Liebe zwischen einer Vampirin und einem Lycaner kam es zum Krieg. So viel zur Erklärung der Hintergrundgeschichte.
„Underworld Evolution“ setzt genau da an, wo „Underworld“ aufgehört hatte. Nachdem die Vampirin Seline zusammen mit dem Lycaner/Vampir Hybrid Michael eine Verschwörung aufgedeckt hatte, und dabei die Anführer der Vampire und Werwölfe getötet wurden, gelten die beiden als Freiwild und werden von beiden Seiten gejagt.
Underworld Evolution
Plot: Die schöne Vampirsoldatin Selene (Kate Beckinsale) hat das Oberhaupt ihrer eigenen Spezies Viktor (Bill Nighy) getötet und befindet sich auf der Flucht - nicht nur vor ihren rachsüchtigen Freunden, sondern auch vor den alten Feinden ihrer Rasse, den Werwölfen. Ihr einziger Verbündeter ist der Neuhybrid Michael (Scott Speedman), der im ersten Teil durch je einen Biss der beiden Spezies zum Überwesen mutierte. Leider kommt Michael mit seinen neuen Kräften besser zu recht als mit dem ihm bisher fremden Blutdurst, so dass Selene ihm die Regeln erstmal beibringen muss. Die einzige Chance, ihre Ehre wiederherzustellen, sieht sie in der Anrufung des neuen Vampirchefs Markus (Tony Curran), dem sie die Gründe für ihre Taten darlegen will. Was Selene nicht weiß: Auch Markus ist durch eine Unachtsamkeit in der Aufweckungszeremonie zum Hybriden geworden, der eigene Machtpläne in die Tat umsetzen will und die Ermordung ehemaliger Verbündeter als Bauernopfer bereitwillig eingeht
Und so macht Selene mit ihrer Idee ein ganz übles Fass auf. Markus weiß, dass sie Viktor aus gutem Grund tötete, aber es ist ihm egal. Skrupellos setzt er alles daran, einen Anhänger in die Finger zu bekommen, den Michael vom Lycaner Lucien geschenkt bekam. Selene und Michael heften sich an die Fersen des Über-Vampirs, um seine Machenschaften aufzudecken. Dabei müssen sie sich mit dem verstoßenen Historiker Tanis (Steve Meckintosh) und dem mysteriösen Alexander Corvinus (Derek Jacobi) auseinandersetzen. Aber letztendlich verlässt sich das außergewöhnliche Duo doch lieber auf seine Nah- und Fernkampfexpertise, um den finsteren Markus zur Strecke zu bringen. Ihre Suche führt zu einer finalen Schlacht, die den Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen auf immer beenden soll.
Kritik: Wenn ein Actionfilm allein in der Kinoauswertung schon das Fünffache seiner Produktionskosten einspielt, ist eine Fortsetzung vorprogrammiert.
Die Regeln für eine Actionfilm-Fortsetzung sind ziemlich simpel: altbekannte Charaktere mit neuen Emotionen, eine weiterführende Story (die auf Teil 1 basiert), spannende Twists und vor allem mehr Action. Regisseur Len Wisemen, der auch „Underworld 1“ umsetzte, tut sein Bestes, um bei diesem auf ökonomischen Erfolg setzendem Strickmuster den Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz kommen zu lassen. Dieser Faktor macht sich zunächst an der - inzwischen mit ihm selbst verheirateten - Kate Beckinsale als Selene fest. Die Action-Amazone im Lack-und-Leder-Outfit geht noch härter ran als im ersten Teil. Ein paar zusätzliche Schlägereien und der Gebrauch von automatischen Schnellfeuerwaffen schrecken die britische Schauspielerin offensichtlich nicht ab. Cool, diszipliniert und abgezockt fightet sich die Powerfrau durch jedes noch so verzwickt wirkende Szenario. Darüber hinaus eröffnet Selene dem Zuschauer eine völlig neue Seite an sich. Aufgrund ihrer wachsenden Beziehung zu Michael wird die Soldatin emotional verwundbar und muss auch mit der Angst umgehen, ihn vielleicht zu verlieren. Diese wenigen, aber gut platzierten Charaktermomente setzen die Vampirkriegerin und ihre Darstellerin ansehnlich in Szene. Als Erweiterung zum ersten Teil wird Selene auch endlich mal mit der großen Schwäche der Vampire konfrontiert: der Hilflosigkeit bei Tageslicht. Kate Beckinsale machte als Vampir-Kriegerin erneut eine gute Figur und durfte zur Freude des männlichen Publikums ihr hautenges Kostüm zu einer ausgiebig vorgetragenen Liebes-Szene mit Michael ablegen. Neben ihr wirkt Scott Speedman relativ blass. Das liegt aber auch an der Ausgestaltung seiner Rolle. Speedman bekommt vom Drehbuch einfach keine Chance, sein Können unter Beweis zu stellen.
Auch die Bilderwelt von „Underworld“ hat sich im Sequel verändert. Der urbane, in Budapest aufgezeichnete Style weicht nun offenen Berglandschaften; die kalten, vom Blaufilter dominierten Einstellungen werden von einigen warmen Sonnenlichtsequenzen verdrängt. Die Gewalteinstellungen werden ebenfalls expliziter. Wiseman lässt sein Publikum an der Abtrennung von diversen Gliedmaßen direkt teilhaben und zeigt kompromisslos die Duelle seiner Figuren. Das zweite Kapitel übertrifft den ersten Teil im punkto Brutalität und driftet teilweise ins Splatter-Genre ab. Den Fans wird’s mit Sicherheit gefallen.
Fazit: Es empfiehlt sich auf jeden Fall, „Underworld“ vor dem Konsum des Sequels zu sehen. Für eine Fortsetzung ist dieser Film in Ordnung, als eigenständiges Werk macht er allerdings keinen Sinn. Wer sich im Genre wohl fühlt oder bei Teil eins ein paar unterhaltende Stunden verlebte, wird auch „Underworld: Evolution“ nicht bereuen. Text by Thomas Raube
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