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  Film-Kritik „Ultraviolet“

 

Als der Film „Ultraviolet“ in die Kinos kam, wurde von der Presse kaum ein Trara gemacht, und die Werbetrommeln schienen den Film vollends zu missachten. Leider fand ich niemanden, der sich den Film im Kino anschauen wollte, so dass ich letztendlich auch nicht gegangen bin. Erst unlängst habe ich erfahren, dass der Film von Kurt Wimmer produziert wurde, jenem Erfolgsregisseur, dem auch „Equilibrium“ gelang. Das, und der Mix aus SciFi/Horror, den ich spätestens seit „Resident Evil“ und „Underworld“ zu schätzen gelernt habe, brachten mich dazu, ihn wenigstens aus der Videothek mal auszuleihen.

 

Plot:

„Ultraviolet“ thematisiert das Leben in einer postapokalyptischen Welt Ende des 21. Jahrhunderts, in der die Menschheit aus Angst vor einem Vampir-Virus die Infizierten - die so genannten Hemophagen - einsperrt. Im Zentrum der Handlung steht Violet (Milla Jovovich), eine Hemophagin, die sich dem Kampf gegen die Menschen verschrieben hat, um ihre eigene Freiheit zu sichern. Im Auftrag von Nerva, dem Anführer einer Vampir-Gruppe, bringt Violet einen Koffer, in dem sich die ultimative Waffe gegen die Hemophagen verbergen soll, in ihre Gewalt. Darin befindet sich allerdings ein kleiner Junge namens Six der ihr Leben gehörig durcheinander bringt. Weil sie sich weigert, ihn zu töten, macht sie sich ihre eigenen Leute zu Feinden. Nur ein junger Forscher versucht, ihr bei der Entschlüsselung des Rätsels um Six zu helfen und die perfiden Pläne des Vizekardinals Dexus zu durchkreuzen, der das Gleichgewicht zwischen Menschen und Vampiren für immer kippen will.

 

Kritik:

 

Soweit klingt alles noch nach einem recht spannenden Filmchen, zumal Wimmers Faible für totalitäre Gesellschaften am Rande des Zusammenbruchs mit Equilibrium einen kleinen Erfolg unter Genrefans feiern konnte. Doch sobald sich der Plot ein bisschen entwickelt, offenbaren sich eklatante Mängel in der Umsetzung. Zuerst einmal wird geklaut, wo nur zu klauen ging. Hier ein wenig „Blade“, dort ein wenig „Resident Evil“, gewürzt mit „Equilibrium“. Dann wirkt die ganze Geschichte zusammengeschustert, ohne eine Basis Handlung.

 

So wird zum Beispiel nie klar, was das Vampir/Hemophagen-Virus bei den Infizierten bewirkt - von den etwas spitzeren Eckzähnen mal abgesehen. Kein unerbittlicher Blutdurst macht sich breit, keine nächtliche Jagd auf Menschen wird getätigt. Trotzdem wird ein geradezu hysterisch vorsichtiges Bild der Menschen gezeichnet, in dem Desinfektion und sterile Produkte die Hauptrolle spielen. Ebenso unerklärlich ist die Motivation der durch und durch abgezockten Violet, die eben noch Menschen verachtet und aus dem Nichts heraus plötzlich den kleinen Six vor allen beschützen will - selbst wenn sich da ungefähr 700 Soldaten in ihren Weg stellen. Insgesamt hält sich das Drehbuch mit dem Angebot an Informationen und Auflösungen sehr zurück. Stattdessen wartet das Skript mit mehreren negativen Highlights in Dialogform auf, die an allerbilligsten B-Movie-Schund erinnern. In diesen Handlungsdschungel aus kaum nachvollziehbaren Entwicklungen und holprigen Brücken zwischen den Action-Teilen fällt auch immer wieder Violets monologische Frage: „Was mache ich hier eigentlich?“ - da kann der Zuschauer nur gelangweilt einstimmen und verständnislos fragen: „Was bitte macht sie da eigentlich?“

 

Gut, eine kurze Lästerpause: Als Actionverwöhnter Zuschauer lässt man sich von so etwas nebensächlichen wie eine Handlung nicht abbringen sich den Film anzuschauen. Rein von den Special Effekts wird einiges Feuerwerk abgeschossen. Wer die Gun-Kata Sequenzen in Equilibrium gemocht hat, wird auch hier wieder seine Freude haben. Aber – und da beenden wir die Lästerpause wieder – leider sind diese Szenen schmerzlich schnell vorüber, bevor man überhaupt verstanden hat, was eigentlich geschehen ist. (Die Slow-Taste Griffbereit halten!) Ein weiteres Makel ist, dass sich kein einziges ernsthaftes Hindernis vor der Protagonistin auftut. Egal, ob es gegen zwanzig superstarke und bis an die Zähne bewaffnete Vampire oder gegen Daxus gesamte Verteidigungskräfte im Showdown in der Bibliothek für tödliche Wissenschaften (!) geht, Violet metzelt ein wenig und nach jeder Einstellung fliegen Millas Haare wieder fluffig und entspannt in Zeitlupe um ihren Kopf und bilden ein perfekt durchgestyltes Bild der siegreichen Edel-Amazone.

 

Was am Ende bei der Zusammensetzung des Streifens herausgekommen ist, wirkt wie ein zu langer und viel zu übertrieben durchgestylter L’Oreal-Werbespot. Gerade das Styling der Protagonisten bekommt von der Regie unzählige Detailaufnahmen und Zeitlupen zugesprochen, welche den Coolness-Faktor der Figuren betonen: sich im Fluss verändernde Kleidung, Platz sparende Waffen, die sich beim Ziehen erst zu ihrer vollen Größe entfalten und die nicht enden wollenden Einstellungen von Milla Jovovichs die Farbe wechselnder Haarpracht. Ganz offensichtlich nimmt sie ihre Rolle als L’Oreal-Botschafterin sehr ernst. Und wenn sich in einer Szene vier böse Vampire in einer Reihe aufstellen, um ordentlich Kleinholz zu machen, überzeugt jeder vor allem durch seine individuelle und mit viel Liebe hinmodellierte Model-Frisur.

 

Fazit:

Was unterm Strich als Verkaufsargument bleibt, ist also wirklich nur noch Milla Jovovich. Die macht ihre Sache immer noch sehr routiniert und sexy. Sie mischt für ihre Performance Elemente der Figuren aus Resident Evil und Das fünfte Element und macht auch in den Action-Szenen eine gute Figur.

Wem es reicht, Milla Jovovich über eineinhalb Stunden bauchfrei Rumrennen zu sehen, der kann sich ja mal die DVD ausleihen; doch einen Gang ins Kino sollte man vermeiden.

 

by Thunderchild

 

 

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