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Film Kritik:
Surrogates Mein zweites Ich
Surrogates basiert auf den fünfteiligen Comic-Band „The Surrogates“ des Zeichners Brett Weldele, der nicht ganz zufällig von aktuellen Online-Rollenspielen wie World of Warcraft oder Second Life inspiriert wurde. Genau wie jene virtuellen Avatare, die mitunter 10 Stunden am Stück von ihren Spielern bewegt werden, schlüpfen die Menschen im Film und Comic in designte Avatare um Unfällen aus dem Weg zu gehen, oder der eigenen Schönheit ein wenig nachzuhelfen. So kann ein 80 jähriger Mann durchaus im Körper einer zwanzig jährigen Blondine auftreten. Den Comicband hab ich nie gelesen, oder auch nur was von gehört, von daher kann ich in der folgenden Kritik wenig zu der detailtreue erzählen, und nur den Film selbst bewerten.
Jonathan Mostow hat sich im Filmgeschäft einen Namen durch den Action-SciFi-Film Terminator 3 gemacht. Der Film war solide, aber nicht wirklich überragend, von daher kann man in etwa erraten, wie Surrogates wird…
Plot:
Wie pflanzt man sich fort, wenn die Welt nur noch durch die Surrogates wahrgenommen werden? Wie sieht die Kindererziehung aus, wenn der Nachwuchs nicht mehr weiß, was Schmerz oder Verletzungen sind? Insofern hat sich der Regisseur scheinbar einfach Scheuklappen aufgesetzt, und das Grundthema des Plotes in Sicht gehabt.
Das gradlinige Actionstück ist eben nicht mehr als solches, ein Action-Film mit ein wenig Knaller-Baller, ohne allzustark den Zuschauer mit Informationen zu belasten.
Den Machern gelingt es jedoch, die Hintergründe der Verschwörung lange genug zu verschleiern und damit die Spannung aufrechtzuhalten, um dann das Finale mit einem überraschenden, wenn auch nicht ganz schlüssigen Twist einzuleiten. Eben dieser letzte Akt ist durch seinen allzu formelhaften Aufbau aber die schwächste Passage des Films: Die Szene, in der ein vor der Ermordung unzähliger Menschen nicht zurückschreckender Bösewicht den Helden festnagelt, ihm dann aber die Möglichkeit gibt, den Plan doch noch zu vereiteln, bedient jene üblen Klischees, deren Auslassen bereits in der ersten Stunde eines jeden Drehbuchlehrgangs gepredigt wird. Und während Mostows „Terminator 3“ Hollywood-untypisch noch ziemlich düster enden ließen, verzichten sie dieses Mal auf die tragische Schlussnote und servieren ein weichgespültes Happy End.
Die Trailer erweckten den Eindruck, Bruce Willis (Stirb langsam, Armageddon, Pulp Fiction) würde erneut in seine Paraderolle als kerniger Actionheld schlüpfen. Sein Tom Greer verlangt in dieser Hinsicht jedoch Zurückhaltung: Durch die Jahre auf der Virtual-Reality-Couch ist er merklich geschwächt und kommt in den Verfolgungsjagden nur schwer hinterher, die markigen Oneliner weichen bis auf wenige Ausnahmen Wut und Verunsicherung. Wirklich anspruchsvoll ist die Rolle dennoch nicht und wird von Willis auch mühelos gestemmt. James Cromwell (Star Trek First Contact) und Ving Rhames (Mission: Impossible) werden in ihren kleinen Rollen ebenfalls kaum gefordert, während Radha Mitchell und Rosamunde Pike als Greers Frau zumeist als Surrogates agieren, weshalb ein etwas hölzernes Auftreten von ihnen sogar verlangt wird. Mehr Arbeit kam da schon auf die Maskenbildner zu, die sich mit viel Make-up und Weichzeichner den Uncanny-Valley-Effekt zu Nutze machen und die Darsteller in makellose, aber nur fast menschlich erscheinende Surrogates verwandeln, die gerade deshalb so creepy wirken. Aus ähnlichen Gründen hat man wohl auch dem Surrogate von Bruce Willis eine Frisur verpasst, für die sich selbst Nicolas Cage schämen würde – es ist geradezu erleichternd, Willis nach einer halben Stunde endlich wieder dauerhaft mit Glatze, Falten und Stoppelbart auf der Leinwand zu sehen.
Fazit: Gerade weil die heutige Jugend fast die ganze Zeit in Online-Rollenspielen unterwegs ist, um ihren Avatar durch die Gegend zu schicken und mit anderen Mitspielern (virtuell) zu kommunizieren, ist Surrogates ein interessantes Augenzwinkern, auf das was kommen könnte. Leider kommt der Film in einer Weichspielfassung daher, hält sich mit der Action fast vollkommen zurück, so dass man hinterher denkt „Nicht schlecht, aber irgendwas hat gefehlt“. Hier wurden definitiv Chancen vertan. Ein unterhaltsamer SciFi-Thriller mit Starbesetzung für Zwischendurch.
3 von 5 Punkte
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