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Kinokritik

 

Stolz und Vorurteil

 

Da ich der Meinung bin, dass man ein Buch lesen sollte, bevor man dessen Verfilmung sieht, habe ich mir Stolz und Vorurteil von Jane Austen erst durchgelesen. Ich war verblüfft über den feinen, subtilen Humor/Ironie, den die Schriftstellerin an den Tag legte. Sie hat die Leute und Handlungsweisen ihrer Zeitgenossen liebevoll auf die Schippe genommen. Das liebevoll ist wohl auch dem geschuldet, dass sie ihre Bücher sonst hätte nicht verkaufen können. Auf jeden Fall fand ich das Buch gut. Sehr zu empfehlen. Aber da dies hier keine Buchkritik – die wohl eh keinen interessieren würde – werden soll, schwenken wir zum Film. Es ist natürlich schwierig, ca. 350 Seiten mit viel Geschehen und Charakterstudie in 2 Stunden zu verfilmen. Was kann man weglassen, ohne die Aussage des Buches zu verstümmeln? Das war die große Frage. Und wie bringe ich diese subtile Ironie herüber, ohne die Zuschauer mit dem Holzhammer namens Ironie zu erschlagen? Das war die zweite große Frage.

Ich muß sagen, es ist äußerst gut gelungen. Es fehlt zwar die ein oder andere wichtige Szene. Auch sind einige wenige Details umgeschrieben worden. Aber! Die Aussage des Romans blieb erhalten, was auch der sehr gut gewählten Schauspielercrew zu verdanken ist. Allen voran glänzt Keira Knightley als Hauptfigur. Auch Donald Sutherland ist als Vater eine Topbesetzung. Und die Chemie zwischen Mr. Darcy und Elizabeth Bennet stimmt auch. Aber bevor ich hier jemanden mit Fakten totschlage, sollte ich wohl einige Worte zum Inhalt verlieren. Dabei beschränke ich mich auf den Haupthandlungsstrang.

Das ganze spielt im England des 18./19. Jahrhunderts. Es dreht sich alles um die Familie Bennet. Vater, Mutter und 5 Töchter. Wovon einzig und allein die zwei ältesten Töchter wissen, wie man sich richtig benimmt. Diese Familie lebt in einer ländlichen Gegend in der „Nähe“ von London. Sie sind nicht reich aber auch nicht ganz arm. Das Leben von Mrs. Bennet wird von der Sorge bestimmt, wie sie ihre Töchter verheiratet. Als dann ein Mr. Bingley – er ist ziemlich reich – ein leerstehendes Gut pachtet, ist sie sicher – wo sie diese Sicherheit her nimmt ist unergründlich -, dass Mr. Bingley ihre älteste Tochter heiraten wird.

Auf einem Ball macht die Familie mit dem werten Herrn und seinem Freund, Mr. Darcy, Bekanntschaft. Mr. Bingley ist ein höflicher und offener Mensch und offensichtlich von Jane Bennet (älteste Tochter) eingenommen. Sein Freund ist das Gegenteil. Arrogant und Stolz. Er zieht die Antipathie aller auf sich. Und ganz besonders die von Lizzy (zweitälteste Tochter). Das schafft er, indem er ihre Eitelkeit verletzt. Mr. Darcy und Lizzy liefern sich ständig Wortgefechte bei jedem Treffen. Mr. Bingley wirbt um Jane. Auch sie scheint in ihn verliebt zu sein, ist aber sehr zurückhaltend. Die Familie hofft, dass er ihr bald einen Antrag machen wird. Aber es kommt anders. Er kehrt nach London zurück, angeblich um die Schwester von Mr. Darcy zu heiraten. Zumindest laut Aussage von Bingleys Schwester, die unbedingt Darcy heiraten möchte.

Bald darauf findet Lizzy heraus, dass Mr. Darcy dahinter steckt. Das schürt natürlich ihre Vorurteile ihm gegenüber. Darcy dagegen entwickelt immer mehr Zuneigung. Dies gipfelt ihn einem Heiratsantrag. Lizzy lehnt diesen entrüstet ab und wirft ihm so einiges, was sie über ihn erfahren hat, vor. Vor Erstaunen über die Ablehnung vergisst er, sich zu verteidigen. Dies holt er in einem Brief an sie nach. Der Brief öffnet Lizzy die Augen über den wirklichen Charakter von Darcy. Und das ist der Anfang eines langen Weges der Verzweiflung, weil sie sich dermaßen in ihm getäuscht hat. Als sie ihm das nächste Mal begegnet, sieht sie ihn mit ganz anderen Augen und nimmt ihn wahr, wie er ist. Ihre Gefühle wenden sich. Aber eine Reihe von Ereignis scheint es unmöglich zu machen, dass er sie noch immer liebt, geschweige denn nochmals um ihre Hand anhalten wird. Und auch die Liebe von Mr. Bingley und Jane scheint verloren.

Wie bereits erwähnt, passen die Schauspieler hervorragend auf die Figuren. Die Chemie zwischen Lizzy und Mr. Darcy stimmt. Man kann die Spannung förmlich spüren. Gott sei Dank ist im Kino Rauchverbot. Auch die Schauplätze waren toll. Es stimmte mit meinen Vorstellungen weitestgehend überein. Da war ich überrascht.

Auch schaffte es der Film, dem Publikum einige herzhafte Lacher zu entlocken. Ein toller Humor.

Was die ganze Geschichte allerdings besonders heraushebt ist das zeitlose Thema. Der falsche Stolz und Vorurteile finden sich auch in unserer heutigen Gesellschaft. Nur würden wir es wohl auch nicht merken, wenn man uns den Spiegel auf so subtile Weise vorhält.

Fazit: Unbedingt sehen.

Text by Jordan

Kritik:

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es Filme nie mit der Buchvariante aufnehmen können, von daher glaube ich Jordan einfach mal, dass das Buch zu Stolz und Vorurteil gut sei. Leider kam ich nicht in den Genuss, das Buch zu lesen, aber auch der Film hat mir sehr gut gefallen.

Besonders gut gefiel mir die Figur des stolzen, abweisenden Mr. Darcy, und deren langsamen Auftauen. Er machte die Geschichte spannend und interessant. Aber auch der Vater der fünf Töchter (Der Mann war viel beschäftigt;-) fügte dem Film interessante Nuancen bei.

Die Namensträchtigen Schauspieler wie Keira Kneightley („Fluch der Karibik“, „King Arthur“), Judi Dench oder Donald Sutherland brachten zusätzlich ein wenig Frische in den Kino-Film, den ich bei dem vorher produzierten Fernsehfilm vermisst hatte, der vor ein paar Jahren erschien. Es ist eine gefühlvolle Geschichte die sich durchaus lohnt anzuschauen, daher auch ein Sehenswert im Fazit.

 

 

Text by Thomas Raube

 

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