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Kinokritik "Serenity"
Serenity - Flucht in neue Welten
Regie:
Joss
Whedon Plot: 500 Jahre in der Zukunft. Die Menschen einer überbevölkerten, Ressourcenverbrauchten Erde zogen los ins All, besiedelten neue Planeten und machten diese durch Terraforming bewohnbar. Natürlich gab’s Streit: Die Randwelten wollten sich nicht unter die Führung der zentralen Welten – die Allianz – begeben, was einen blutigen Bürgerkrieg zur Folge hatte. Die Allianz siegte. Doch einige Widerstandskämpfer, die Browncoats, entschieden sich auch nach dem Krieg für ein Leben in Unabhängigkeit. In diesem Setting kreuzt der Raumfrachter „Serenity“ (benannt nach einem Planeten, auf dem der Krieg entschieden wurde) unter der Führung von Captain Malcolm "Mal" Reynolds (Nathan Fillion) samt seiner mehr oder weniger loyalen Crew durchs Universum, um sich mit Gelegenheitsaufträgen über Wasser zu halten. Mit von der Partie: Mals alte Kriegsgefährtin Zoe (Gina Torres), ihr Mann und Pilot Hoban 'Wash' Washburne (Alan Tudyk), der Söldner Jayne (Adam Baldwin) und Mechaniker-Ass Kaywinnit Lee "Kaylee" Frye (Jewel Staite). Zusätzlich mit an Bord sind zwei Passagiere, Dr. Simon Tam (Sean Maher) und seine Schwester River Tam (Summer Glau), die von der Allianz erbittert verfolgt werden. Denn River Tam, vordergründig ein schüchternes Mädchen mit telepathischen Fähigkeiten, ist hinter dem schönen Gesicht auch eine unberechenbare Kampfmaschine – und verfügt zudem über Informationen, die der Allianz gefährlich werden könnte. Gejagt von schier übermächtigen Feinden, wird der Crew fatalerweise klar, dass die größte Gefahr an Bord der Serenity selbst lauert... Kritik: Mit „Serenity“ kam nun die Leinwandadaption der TV-Kultserie „Firefly“ in die Kinos. Der Genre-Mix der Serie ist auch im Film weitestgehend beibehalten worden: ein bisschen Retro-SciFi, ein wenig Western, und im Kern eine Geschichte um eine Gruppe von Freunden, die mit einem schrottigen Raumfrachter durchs Universum düst und Abenteuer erlebt. Um nicht völlig ahnungslos ins Kino zu gehen, habe ich mich natürlich mit der Serie Firefly beschäftigt (siehe VL 28), auf die der Film ja beruht. Somit hatte ich genug Hintergrundwissen, um auch kleinere Seitenhiebe auf vergangene Ereignisse zu verstehen. Denn im Film werden einige vorherigen Missionen angesprochen, die nur der Serien-Fan verstand. Lediglich das an Bordkommen der Tam Geschwister wurde in einem Intro erklärt. Doch auch jemand, der noch nie von Firefly gehört hat, kann es sich im Kinosessel bequem machen, und atemberaubende 116 Minuten genießen. Optisch allen voran der wilde Genre-Mix mit seinen Westernelementen sowie die originelle Symbiose von „neu“ und „alt“, überzeugt der Film beinahe mehr als Star Wars Episode III. Aber auch inhaltlich schafft es Whedon zu überzeugen, der schon u.a. beim Drehbuch zu „Alien 4“ und seinen TV-Serien um die Vampirjägerin „Buffy – Im Bann der Dämon“ und dem zugehörigen Spin-Off „Angel – Jäger der Finsternis“ zeigen konnte, dass er ein Gespür für interessante Charaktere und Personenkonstellationen hat. Was “Serenity”, genau wie “Firefly” und andere Arbeiten Whedons, interessant macht, sind die handelnden Personen mit ihren Wünschen, Problemen und Konflikten. So hat Captain Mal sowohl im Film als auch in der Serie alle Mühe, seine dickköpfigen Crew zusammen zu halten: Kaylee steht auf Simon Tam, dessen größte Sorge allerdings das Wohlergehen seiner gefährlichen Schwester River Tam darstellt. Und vor der hat der sonst unerschrockene Söldner Jayne – zu Recht – ziemlichen Bammel. Schon in der Serie konnte man in der Folge 11 „War Stories“ Zeuge von Rivers Tödlichkeit werden (und dieser Aspekt wird auch im Kinofilm, soviel sei verraten, zu ungeahnten Dimensionen anwachsen). Darüber spielen Mals alte Liebe Inara (Morena Baccarin) sowie Prediger Shepherd Book (Ron Glass) eine, wenn auch im Vergleich zu Serie sehr geringe, Rolle. Eigentlich geht es ja auch ums Gejagt werden, so dass auch die richtige Menge Action nicht fehlen darf. Gejagt wird die „Serenity“ (bzw. die sich auf dem Schiff befindende River Tam) nämlich von einem Agenten der Allianz (Chiwetel Ejiofor), einem finsteren Gesellen, der keine Skrupel hat, ganze Dörfer auszulöschen und darüber hinaus recht gut mit dem Samuraischwert umgehen kann. Kenner der Serie werden es sicherlich auch begrüßen, dass der vielleicht wichtigste Erzählstrang – das Geheimnis um River Tam – derart unterhaltsam weitergeführt wird, ohne am Ende mit einer alles erklärenden Pointe aufzuwarten. Das Ende, gut das wird die Firefly-Fans vielleicht etwas verschrecken, wenn plötzlich die Charaktere etwas dezimiert werden, aber Whedon hat sich ein paar guter Möglichkeiten bereichert, an Serenity einen zweiten Teil zu hängen. Von daher, wäre es möglich mehr aus diesem Universum zu hören. Neben der guten Besetzung macht “Serenity” auch optisch einiges her. Das Raumschiff hat im Vergleich zur Serie einiges an Details gewonnen, die altertümlichen Elemente sowie der Wild-West-Anteil sind hingegen etwas geringer ausgefallen. Angenehm macht sich aber bemerkbar, dass die Effekte im Film lediglich Mittel zum Zweck sind und die Geschichte nicht zu stark überlagern. D.h. sie wirken wohl dosiert, sind aber in ihrem Auftreten wuchtig und schaffen es, Atmosphäre aufkommen zu lassen. Sympathisch wirkt das mitunter etwas trashige Design, das sich aber gut in die Effekte und die CGI einfügt. Dass "Serenity" überhaupt als abendfüllender Spielfilm realisiert werden konnte, ist aber auch ein Verdienst der Fans von „Firefly“. Denn ohne die äußerst lukrative DVD-Auswertung wäre Universal vermutlich nicht das Risiko eingegangen, den Stoff auf die große Leinwand zu bringen. Man kann mit dem Film natürlich auch viel Spaß haben, ohne die Serie zu kennen, obwohl einem so das tieferes Verständnis der Figuren und ihrer Konstellation verwehrt bleiben dürfte. Mit „Serenity“ wird zwar das Rad nicht neu erfunden und man glaubt, das eine oder andere schon mal irgendwo gesehen zu haben. Doch in seiner Mixtur verschiedener Genre-Einflüsse wirkt der Film schon wieder originell. Wenn auch die Story des Films an sich nicht viel Außergewöhnliches bereithält und nur das Mindestmaß an Überraschungen bietet, kann „Serenity“ doch insgesamt durch seine liebevolle Machart, den Charme seiner Hauptdarsteller sowie solide Action unterhalten. Gut, okay ich will dann nicht nur vom grünen Klee erzählen. Fehler hat jeder Film, sei er noch so gut. Einer dürfte vielleicht der Captain sein. Es ist nichts gegen den Darsteller Nathan Fillion zu sagen, aber sein Chara im Film ist nicht gerade jemand, mit dem man sich identifizieren könnte. Der zweite Schwachpunkt ist der Bösewicht. Man hatte in der Serie zwei, drei Hauptgegner (Unterweltboss Niska, Agenten der Allianz, Blue Hands, etc) die man im Film leider vermisst. Stattdessen wird hier ein neuer Auftragskiller engagiert, der zum Anfang noch überzeugen kann, aber mit jeder fortschreitenden Minute immer unglaubwürdiger wird. Fazit: Wer gute Sci-Fi liebt, sollte sich Serenity anschauen. Endlich mal wieder ein Film, der nicht nur durch Effekte versucht zu überzeugen, sondern eine wirkliche Handlung präsentiert.
Text by Thomas Raube
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