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Kinokritik „Ruinen"
Nachdem in den letzten Jahren der Horror Torture Porn mit „Hostel“, den „Saw“ Filmen oder „Texas Chainsaw Massacre“ gefeiert wurde, bringt Ruinen den „normalen“ Horror Thriller zurück. Auch wenn die Handlung, dem Genre entsprechend nicht der Reißer zu sein scheint, soll sich dies doch ändern.
Plot: Die befreundeten Paare Jeff und Amy sowie Eric und Stacy verbringen auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán einen ausgelassenen, alkoholgetränkten Urlaub. Kurz vor ihrer geplanten Abreise treffen die vier Amerikaner auf den Münchner Mathias, der sie zu einem aufregenden Trip in den Urwald einlädt. Der deutsche Abenteurer will seinen Bruder Heinrich suchen, von dem er seit geraumer Zeit kein Lebenszeichen mehr empfangen hat. Dieser betrieb zuletzt Ausgrabungen an einer alten, versteckt gelegenen Maya-Kultstätte. Allzu große Sorgen macht sich Mathias jedoch nicht. Sollte er aber! Gleich nach ihrer Ankunft wird der Grieche Dimitri von übel gelaunten Indianern niedergeschossen. Der Rest der Touristengruppe kann sich gerade noch auf die Anhöhe einer Maya-Ruine retten - auf die verrottete Pyramide wollen die Ureinwohner partout nicht folgen. Allerdings schneiden sie den ungebetenen Gästen den Rückweg ab. Die Twens sind gefangen. Doch Gefahren drohen auch noch von ganz anderer Seite. Die Rankpflanzen, die fast die gesamte Ruine einhüllen, entpuppen sich als intelligentes Killer-Efeu, das die Eindringlinge mal subtil, mal offensiv-blutig dahinraffen will…
Kritik: Ruinen-Macher Carter Smith ist ein Regie-Frischling. Er begann seine Karriere als Fotograf und Werbefilmer, „Ruinen“ ist sein Kinodebüt. In Sachen Figurenzeichnung macht sich Smiths Talent zwar nicht unbedingt bemerkbar (nach einer eher flotten, oberflächlichen Einführung stürzt sich der Film sofort mitten rein ins Geschehen), doch in der Folge entwickelt sich „Ruinen“ zu einem richtig spannenden Genre-Wadenbeißer, der sich bei der Wahl der Mittel im Schlussviertel als nicht gerade zimperlich erweist.
Was den Film aus dem Gros der grauen Genremasse hervorhebt, ist Smiths stringente Regie. Er hält sich nicht mit Kleinigkeiten auf, sondern konzentriert sich ganz auf das Wesentliche. Obwohl die Figuren kaum einen Hintergrund verpasst bekommen und nur durch jeweils prägnante Eigenschaften charakterisiert werden, verhalten sie sich im Gegensatz zu vielen ihrer Genrekameraden durchaus plausibel, ihr Verhalten in der für die Leinwand konstruierten Notsituation lässt sich auch von normalsterblichen Kinozuschauern nachvollziehen. Angenehm ist Carter Smiths anfängliche Zurückhaltung in Sachen Gore. Das bewahrt ihn davor, in die Schmuddelecke des – mittlerweile ausgelutschten und überholten - Torture Porns gedrängt zu werden. Erst gen Ende zieht Smith die Daumenschrauben brutal an und verlangt seinem Publikum einen stabilen Magen ab, wenn beispielsweise narkosefrei Gliedmaßen amputiert werden. Gerade weil die happigen Szenen nie beliebig oder selbstzweckhaft wirken, entfalten sie eine umso stärkere Wirkung. Warum die FSK den teils beinharten „Ruinen“ mit einer Freigabe ab 16 Jahren durchwinkt ist kaum nachzuvollziehen. Also Vorsicht: „Ruinen“ hält sich zwar über weite Strecken zurück, in einigen wenigen, expliziten Momente geht es dann aber doch ans Eingemachte.
Fazit: „Ruinen“ ist ein erfreulich erfrischender Genrebeitrag, der Lust auf mehr macht. Solide gemacht, und wirklich ein Hingucker gegenüber den derzeitigen Horror-Filmen. 5 von 5 Punkte
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