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Kinokritik

"Die Legende von Aang"
 

Titel: Die Legende von Aang

Originaltitel: The Last Airbender

USA 2010

Laufzeit: 103 Minuten

 

Der Inder M. Night Shyamalan hatte einst mit „The sixth sense“ und „Unbreakable“ für aufsehen gesorgt. Ein namenloser Regisseur, der nur ein paar Collegefilme vorzuweisen hatte, produzierte Blockbuster die sich mit den besten messen konnten.

Leider hielt sein Erfolg nicht lange an, und mit „The Village“ und „The Happening“ stürzte sein Ruf wieder ab, da die Kinosääle praktisch leer blieben.

Nun versucht sich Shyamalan an dem Fantasy-Streifen „Avatar – The Last Airbender“, einer sehr erfolgreichen Anime-Serie.

Dumm nur, das James Cameron mit seinem „Avatar“ zuerst da war, und so blieb vom Namen nur noch „The Last Airbender“, oder hierzulande „Die Legende von Aang“.

 

Plot:

Es war seine Aufgabe, das friedliche Zusammenleben der vier Stämme Luft, Wasser, Erde und Feuer zu gewährleisten. Doch nun ist der Avatar bereits seit mehr als 100 Jahren spurlos verschwunden. Seitdem versucht die Feuernation unter Führung des Feuerlords Ozai, die anderen Völker zu unterjochen. Beim Trainieren ihrer Fähigkeiten stößt die Wasserbändigerin Katara, die wie alle Bändiger ihr Element beliebig formen und so auch als Waffe einsetzen kann, auf einen kleinen, in einer Luftblase eingeschlossenen Jungen. Es ist Aang, der letzte verbliebene Luftbändiger und wiedergeborene Avatar. Einst vor seiner großen Verantwortung geflohen, will er es diesmal besser machen und seiner Aufgabe gerecht werden. Doch dafür muss er zunächst seine Ausbildung beenden und neben seinen Luft-Fähigkeiten auch noch das Bändigen der Elemente Wasser, Erde und Feuer erlernen. Das wiederum wollen Feuerlord Ozai und sein verstoßener Sohn Prinz Zuko, der erst wieder am väterlichen Hof auftauchen darf, wenn er den Avatar in seine Gewalt gebracht hat, mit allen Mitteln verhindern...

 

Kritik:

Die vernichtenden Online-Kritiken zum Film sprechen schon ein deutliches Wort, was man in etwa von „The Last Airbender“ erwarten kann. Trotz dessen, und der starken „Twilight“ Konkurrenz um das altersmäßig gleiche Publikum stürmten die Zuschauer die erste Woche die Kinosääle. Allerdings sind die Zuschauerzahlen bereits am zweiten Wochenende deutlich überproportional eingebrochen, was wiederum damit zusammenhängen dürfte, dass nicht nur der Schnitt der professionellen Kritiken, sondern auch die Mundpropaganda bezahlender Kinogänger nicht gerade positiv ausgefallen ist.

 

 

Die Geschichte rund um Elementbändiger und Mondgeister passt perfekt zu dem weltverbesserischen Mystizismus, der auch schon M. Night Shyamalans frühe Filme, vor allem aber seine vorangegangenen beiden Werke „Das Mädchen aus dem Wasser" und „The Happening" durchzog. Auf diese Fantasy Aspekte muss man ähnlich wie in dem artverwandten „Dragon Ball“ eingestellt sein, sonst wird man wenig Spaß dabei haben.

 

Ein anderes Drehbuchproblem lässt sich hingegen nicht so leicht vom Tisch wischen. Die Stationen der Reise sind extrem episodisch angelegt. Erwuchs das Epische bei Peter Jacksons „Der Herr der Ringe" doch gerade aus dem Umstand, dass man die Heldentruppe immer wieder ewig lange Strecken zurücklegen sieht, springt „Die Legende von Aang" andauernd ohne jede Zwischensequenz von einem Ort zum nächsten. Das macht die Geschichte bedeutend kleiner, als sie eigentlich sein möchte.

 

Ansonsten sind die Feuer-, Wasser- und Wind-Animationen allerdings überzeugend umgesetzt und fallen zudem recht abwechslungsreich aus. Ein wenig mehr hätte man sich hingegen von Aangs Bison Appa erwartet. Das riesige Wollknäuel sieht zwar ganz süß aus, aber das humoristische Potential des Tieres wird zu keinem Zeitpunkt ausgespielt. Ebenfalls kaum ausgenutzt werden die Möglichkeiten des 3D-Kinos. Obwohl die Elementarbändigung Steilvorlagen ohne Ende liefert, bleiben die 3D-Effekte extrem überflüssiges Beiwerk. Das hängt auch damit zusammen, dass erst spät im Entstehungsprozess entschieden wurde, den Film in 3D umrechnen zu lassen, er also eigentlich gar nicht von Beginn für diesen Zweck konzipiert war. Bei einer wahrscheinlichen Fortsetzung wäre also auf jeden Fall davon auszugehen, dass sie dem ersten Teil zumindest in dieser Hinsicht deutlich überlegen wäre.

 

Womit sich „Die Legende von Aang" dann endgültig selbst seiner angestrebten epischen Fantasy-Ausmaße beraubt, sind die durchweg überforderten Schauspieler. Hauptdarsteller Noah Ringer (Aang) wurde in erster Linie aufgrund seiner Kampfsport-Fähigkeiten für die Rolle des Aang ausgewählt. Deshalb wirkt es weniger komisch als erwartet, wenn er mit seinem Stab seine erwachsenen Widersacher gleich armeeweise vermöbelt. Wenn er dann aber in einem Dorf die Bewohner mit einer pathetischen Rede zur Rebellion aufruft, steht da plötzlich doch wieder nur ein zwölfjähriger Junge, der ziemlich unsinniges Zeug daherredet. Ähnliches gilt für Dev Patel, dessen Prinz Zuko eigentlich die tragischste Figur des Films sein sollte. Er starrt die ganze Zeit über mit dem gleichen grimmigen Gesichtsausdruck vor sich hin, den auch ein Laiendarsteller aufsetzen würde, wenn er den Bösewicht in einem Schultheaterstück verkörpern sollte. „Twilight"-Star Jackson Rathbone („New Moon", „Eclipse") verwendet als Kataras Bruder Sokka exakt dasselbe Mimik-Arsenal wie als Vampir Jasper Cullen, nur dass er diesmal ausnahmsweise mal keine weiße Schminke trägt.

 

Fazit:

Der Film stellt sich auf eine Stufe mit „Eragon“ oder „Der goldene Kompass“. Er ist nicht schlecht, aber um das Kinopublikum in den Sitzen zu überzeugen reicht es eben doch nicht ganz. Aufgrund des guten Startwochenendes wird wohl eine Fortsetzung kommen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Qualität dann steigert und die Darsteller an ihrer Schauspielerei trainieren.

Der Film ist ganz nett, aber definitiv nichts, was man gesehen haben muss. Lieber auf die Leih-DVD warten! Oder sich die Animes anschauen.

2 von 5 Punkte

 

 

Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Produktion: M. Night Shyamalan, Sam Mercer, Frank Marshall, Scott Aversano
Bildgestaltung: Andrew Lesnie
Montage: Conrad Buff
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Noah Ringer, Dev Patel, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Aasif Mandvi, Cliff Curtis, Seychelle Gabriel, Shaun Toub, Jessica Andres, Randall Duk Kim

 

by Thunderchild

 

 

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