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Kinokritik

„Könige der Wellen“

 

Bei den Megabudgets, mit denen die modernen Animationsfilme der großen Studios mittlerweile regelmäßig ausgestattet werden, ist es nur allzu verständlich, dass die Produzenten dabei auf „In“-Themen setzen. Im Falle von „Könige der Wellen“ setzt man auf die derzeit arg vermarkteten Pinguine, die spätestens seit „Reise der Pinguine“ im Visier der Filmemacher stehen. „Surf’s Up“, so der Originaltitel ist nach „Happy Feet“ inzwischen der zweite Pinguin-Animationsfilm in kurzer Zeit.

 

Plot:

Pinguin-Hotshot Cody Maverick kommt aus einer Gegend der Antarktis (Buenos Eisig), die hauptsächlich von der Fischindustrie lebt. Harte Arbeit und strenge Disziplin sind an der Tagesordnung, Codys großer Traum von Freiheit und Surfen zählt hier nur wenig. Seitdem er in Kindertagen dem ehemaligen Surf-Champion Big Z begegnet ist, will er es seinem Idol gleichtun und die größten Wellen für sich im Sturm erobern. Seine Chance hierzu scheint gekommen, als ein Wal auf der Suche nach Surf-Talenten für das zehnte alljährliche „Big Z Memorial Championship“ in seinem Heimatort Station macht. Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, springt der von sich selbst über alle Maßen überzeugte Cody auf. Doch auf der karibischen Insel, wo der Wettbewerb stattfinden soll, angekommen, muss der Jungspund schnell feststellen, dass die Konkurrenz härter ist, als er sich das vielleicht vorgestellt hat. Vor allem der rücksichtslose Tank Evans macht Cody das Leben schwer. Nur dank seinen Freunden, dem durchgeknallten Hühnchen Chicken Joe, der feschen Rettungsschwimmerin Lani und dem Einsiedler Geek (Im Original gesprochen von Jeff Bridges) kommt Cody wieder zu genug Selbstvertrauen, um sich Tank und den Wellen zu stellen. Doch dann entdeckt er Geeks wohl gehütetes Geheimnis und sein Traum droht wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen...

 

Kritik:

Das amerikanische Publikum hatte sich an den schwarz-weiß gefiederten Polarbewohnern längst satt gesehen und so blieb auch das US-Einspielergebnis folgerichtig weit hinter den hohen Erwartungen zurück. Schade kann man da nur sagen, denn „Könige der Wellen ist eine nette Animationskomödie mit ausgereifter visueller Technik.

Bei „Könige der Wellen“ bleibt einem einmal mehr kaum etwas anderes übrig, als die visuelle Ausgestaltung in den höchsten Tönen zu loben. Nicht nur die A-Liga-Animationen, auch die karibischen Insellandschaften können voll überzeugen. Neben dem fehlerfreien Abliefern des Pflichtprogramms führen die Macher in diesem Fall allerdings auch noch eine nicht zu verachtende Kür in der Hinterhand. Zum einen haben sie durch die Fake-Doku eine Herangehensweise gewählt, die zahlreiche neue inszenatorische Möglichkeiten eröffnet. Die Figuren wenden sich plötzlich an den Zuschauer, geben Interviews und kommentieren das Geschehen. Und die begleitende Kamera bekommt in den actionreicheren Szenen auch mal ihr Fett ab. Zum anderen baut der Film immer mal wieder Archiv-Aufnahmen von Big Zs größten Triumphen mit ein – und noch nie sahen auf alt getrimmte Animationen so gut aus wie hier.

 

Wo es im Trailer schon den Spruch „Hoffentlich haben wir jetzt nicht das Ende verraten. Ich hasse es, wenn die im Trailer alles ausplaudern.“ gab, setzt sich dieser Humor auch im Film konsequent fort, das Dokumentarfach, das Animationskino und Surfer-Filme bekommen in den Parodie-Momenten gekonnt ihr Fett weg. Dabei ist der Witz zumindest in der Hälfte angenehm subtil und manchmal sogar überraschend schwarz ausgefallen. Ganz vorne landet Chicken Joe der die meisten Lacher auf seiner Seite hat.

In der zweiten Hälfte treten die Parodie-Elemente dann aber leider immer stärker in den Hintergrund und „Könige der Wellen“ wandelt sich immer mehr zu einem 08/15-Surfer-Sportfilm. Natürlich wäre dies nicht weiter schlimm gewesen, wenn er weiterhin so gut funktioniert hätte, nur ergeben sich in diesem Fall doch einige Probleme. Zum einen ist es immer schwierig, in ein Genre zurückzufallen, über das man sich gerade noch lustig gemacht hat. Und zum zweiten wird von hier an immer klarer, dass die Begeisterung für den Film eher mit seiner Machart und Erzählweise, denn mit den Figuren oder der Geschichte selbst zu tun hatte. Nun, da sich die Story vor allem auf das Surf-Event konzentriert, die ganzen Spielereien am Rande zum großen Teil hinten über fallen, bewahrheiten sich doch nur einmal mehr die beiden Grundregeln des Animationskinos – man braucht eine gute Geschichte und man braucht liebenswerte, aufregende Charaktere. Beides hat „Könige der Wellen“ leider nur in überschaubaren Maßen vorzuweisen.


Fazit: Trotz Schwächen liefert der Film eine gute Unterhaltung. (4 von 5)

 

Text by Thomas Raube

 

 

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