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Kinokritik Kingdom of Heaven

Königreich der Himmel

 

 

Ridley Scott hat schon manch guten Film geliefert. Die einen sind Oscar-gekrönt (Gladiator), die anderen zu Klassikern geworden (Alien). Nun wandelt er nochmals auf den Spuren seines Erfolges und taucht ein in die Welt der Ritter, der Schwerter, der Rüstungen, der Burgen und vor allem der Schlachten. Denn wenn Kingdom of Heaven eine Sache zu bieten hat, dann sind es Schlachten und Gemetzel.

Inhalt: Wir befinden uns am Ende des 12. Jahrhunderts. Christen versuchen ihren Glauben zu verbreiten, Moslems machen dasselbe. Es ist die Zeit der Kreuzzüge und Jerusalem ist die heilige Stadt. Dort, unter der weisen Regentschaft des Königs, leben verschiedene Religionen in der gleichen Stadt und der Frieden ist ein hart erkämpftes, aber scheinbar nur kurzes, Glück. Zu dieser Zeit lebt irgendwo in der französischen Provinz der Schmied Balian (Orlando Bloom), dessen Sohn tot geboren wurde und dessen Frau sich aus diesem Grund selber umgebracht hat. Er ist auf der Suche nach Vergebung und will wissen, ob Gott ihn vergessen hat oder nicht. Eines Tages bekommt der Schmied Besuch von einem Lord. Godrey (Liam Neeson) taucht auf, teilt ihm mit, dass er sein Vater ist und will mit ihm ins heilige Land nach Jerusalem ziehen. Dort, wo die Sünden vergeben werden. Dort, wo Christus zuhause war. Nach einigem hin und her kann sich der Schmied überwinden und folgt seinem Vater, der kurz darauf in einem Kampf im Wald schwer verwundet wird. Kurz vor seinem Tod, schlägt er seinen Sohn zum Ritter und trägt ihm auf, in Jerusalem dem König zu dienen.
Die Reise geht weiter und nach einem Schiffsunglück wird Balian als einziger Überlebender seines Bootes an Land gespült. Nach einer ersten, blutigen Begegnung mit einem Moslem, macht Balian die Bekanntschaft von Jerusalems Stadthalter und Freund seines Vaters, Tiberias (Jeremy Irons). Dieser ist bemüht, den Frieden mit dem Moslemführer Saladin (Ghassan Massoud) zu halten. Denn dieser ist der militärischen Armee des Königs zahlenmäßig weit überlegen. Ebenso macht Balian die Bekanntschaft von Guy de Lusignan (Marton Csokas), einem kriegstreiberischen Franzosen, der alle Moslems ausgelöscht sehen will. Seine Frau, Sibylla (Eva Green) verdreht dem Schmied mächtig den Kopf, was natürlich nichts Gutes verheißen kann.
Als der König, der seit längerem an Lepra erkrankt ist und sich nur noch mit Maske und Handschuh zeigt (Edward Norton), stirbt, wird ausgerechnet der verhasste Guy de Lusignan zum neuen König gekrönt. Natürlich, weil er mit der Schwester des Königs verheiratet ist. Was nun folgt, war abzusehen. Der Franzose sammelt seine Armee von Kreuzrittern und Templern und zieht gegen Saladin in die Schlacht, welche er vernichtend verliert. Balian, der sich der Kriegsmeute nicht angeschlossen hat, hat nun noch eine Aufgabe: Die Verteidigung von Jerusalem gegen die sich nähernde Menge von 200.000 moslemischen Kriegern, die sich ihr heiliges Land zurückholen wollen. Womit Jerusalem damals - nicht anders als heute - zu einer Stätte des Blutvergießens wird.
 
Kritik: Gladiator 2 schallt es von überall her. Weit gefehlt sei hier gesagt. Das Team um Ridley Scott mag wohl das gleiche sein wie beim Römerspektakel, doch Kingdom of Heaven zeigt dank eines von Idealismus geprägten Drehbuchs ein intelligentes Bild des Mittelalters und schließt die Religionskriege von einst mit Problemen der Gegenwart kurz.
 
Die Epoche ist eine andere, doch die simplen aber effektvollen stilistischen Elemente lassen klar die Handschrift des Gladiator-Regisseurs Ridley Scott erkennen. Was bei Kingdom of Heaven ohne Zweifel für die nötige Portion Pathos sorgt. Dick aufgetragen, mit überschwänglichen, beinahe ans Lächerliche grenzenden Dialogen führt uns der Regisseur durch seine Version des frühen Mittelalters. William Monahans Drehbuch ist voll naivem Idealismus, wird von Scott und seinen Schauspielern aber mit so viel Intensität vorgetragen, dass es nur sehr kritischen Geistern schwer fallen dürfte, sich der Geschichte hinzugeben

Orlando Bloom ist zwar nicht der Über-Held im Stile eines Russell Crowe, präsentiert sich dafür als einfacher und unkorrumpierbarer Kämpfer, der letztlich in uns allen stecken könnte. Und auch wenn Scott und Monahan es mit der Liebesgeschichte zwischen Balian und König Baldwins Schwester Sibylla (Eva Green) zuweilen übertreiben, setzen sie sich auf der anderen Hand gekonnt mit der simplen Wahrheit auseinander, dass Religion und Glaube stets zwei verschiedene Dinge sein werden.
Wie historisch korrekt ihre Schilderung des Kampfes um Jerusalem letztlich ist, scheint so nebensächlich wie die abgehobenen Dialoge. Kingdom of Heaven ist in seiner einfachen epischen Form ein Plädoyer für Toleranz, eine Kritik an der Absurdität der Glaubenskriege und ein Lobgesang auf den Idealismus, der hier als einzig wahres Mittel gegen Machthunger und Ausbeutung gesehen wird. Scotts Film schürt die Hoffnung, dass eines Tages Muslime, Christen und Juden in Frieden zusammenleben werden. Und für eine kurze Zeit hoffen wir mit.
 
Geschichtlicher Hintergrund & Kritik zu "Königreich der Himmel"
 
"Seid ohne Furcht im Angesicht Eurer Feinde. Seid tapfer und aufrecht. Sprecht die Wahrheit, auch wenn dies Euren eigenen Tod bedeutet. Beschützt die Wehrlosen und tut kein Unrecht. Das ist Euer Eid..."
- Der Eid, der Balian, den verbitterten Schmied, zu einem Ritter macht und die Geschichte erst richtig beginnen lässt. Fortan findet eine erstaunliche Wandlung mit dem jungen Mann statt – der einfache Bürger wird zu einem der größten Krieger der Kreuzzüge.
 
Das Jahr 1186. Es ist die Zeit zwischen den zweiten und dritten Kreuzzug, in der ein zerbrechlicher Frieden zwischen den Moslems unter Saladin und den Christen unter Baldwin IV besteht.
Und es ist die Zeit, in der der junge und dennoch sehr weise König Baldwin nur ein Ziel vor Augen hat: er möchte ein "Königreich der Himmel" errichten, welches jedoch erst entstehen kann, wenn endlich Harmonie zwischen den Kulturen, vor allem aber den Religionen herrscht.
Geschichtlich gesehen schaffen Regisseur und Produzent Ridley Scott und Drehbuchautor William Monahan ein durchaus sehenswertes Epos, welches einen guten Einblick in das gewährt, was zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert (1096-1396) geschah. Denn waren anfangs die Kreuzzüge noch religiös motivierte Feldzüge der Christen im Abendland gewesen, die zum Ziel die Befreiung Jerusalems und Palästinas aus der Hand der "Ungläubigen", also Moslems, hatten, wandelten sich die Motive schon bald und waren nun mehr eher machtpolitischer Natur.
Im Film sieht man das deutlich am Baron Guy de Lusignan, dessen Machthunger ihn dazu treibt, die Truppen unter Saladin anzugreifen, obwohl diese in der Überzahl sind. Unschwer zu erraten, dass er unterliegt.
Am Ende ist es doch das Nachgeben, das Hunderte Leben rettet – und gerade das sollte man sich wohl mal vor Augen halten. Denn der Tod so vieler Menschen, Unschuldiger, wird dadurch verhindert, dass ein Mann, oder in einem gewissen Sinne auch zwei Männer ihren Stolz überwinden.
 
Ich persönlich kann ja ganz gut auf Kampfszenen verzichten, andererseits bin ich seit HdR dran gewöhnt und entsprechende Szenen waren durchaus sehenswert und mit einer faszinierenden Komplexität gestaltet. Hier zeigt sich, wer ein guter Regisseur ist.
Worauf ich allerdings wirklich hätte verzichten können, war dieses ständig spritzende Blut in den Kampfszenen. Ein bisschen weniger hätte es wirklich auch getan und der Effekt wäre meines Erachtens nach der gleiche gewesen.
Ansonsten kann man nichts sagen, die Schauspieler haben absolut gezeigt, dass sie etwas von ihrem Job verstehen, insbesondere Orlando Bloom, Eva Green, Ghassan Massoud (Saladin) und auch Marton Csokas (Baron Lusignan)
 
Mir hat ja eigentlich am besten das kleine Suchspiel speziell für Star Trek Fans gefallen: Findet den Doc Bashir alias Alexander Siddig! Er ist eigentlich gar nicht so schwer zu entdecken, man sollte, als Tipp, nur mal Saladin gut im Auge behalten. Denn wer Siddigs Gesicht noch einigermaßen vor Augen hat, wird die markanten Gesichtszüge trotz des etwas veränderten Aussehens schnell wieder erkennen.
 
Unschwer auch zu erkennen, dass der Film einige Seitenhiebe beinhaltete; so fühlte man sich beispielsweise bei den großen Schlacht-Szenen unweigerlich an "Herr der Ringe" erinnert.
 
Abschließend kann ich nur bedauern, dass die Vision Baldwins wohl nie die Vision der Gläubigen unserer Zeit werden wird. Ein Königreich der Himmel, der Frieden zwischen den Religionen? Das wird wohl leider ein Wunschtraum bleiben...


 

Text by Thomas Raube & „CK“

 

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