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Die Handlung in „Der Nebel“ ist schon aus dem Trailer leicht zu erkennen, und sehr viel tiefgründiger wird er auch nicht mehr. Wer jetzt aber erwartet, einen so genannten Gore-Film zu sehen, in denen die Charaktere reihenweise auf äußerst brutale Art und Weise dahingeschlachtet werden, wird ein wenig enttäuscht. Zugegeben, die Todesfälle sind schon nicht ohne, aber eigentlich geht es in dem Film um etwas ganz anderes, und zwar um Menschen und zu was sie fähig sind.
Plot: Ein mysteriöser weißer Nebel zieht vom See her auf eine amerikanische Kleinstadt zu. David Drayton ist gerade mit seinem Sohn Billy in einem Supermarkt, als die Straßen komplett vom Dunst verschluckt werden. Ein älterer Mann stürzt in den Laden und erzählt von Kreaturen, die aus dem Nebel kommen. Die ratlosen Anwesenden verschanzen sich und beginnen abzuwarten, da droht der Generator auszufallen. Da die Menge aber noch nicht vollends daran glaubt, das in dem Nebel Monster herumlaufen, wagt sich die Aushilfe des Supermarktes nach draußen um den Generator aufzuladen, da wird er plötzlich von einer Art riesiger Krake fortgerissen. Verängstigt zieht man sich wieder in den Supermarkt zurück und wartet ab. In der Zeit predigt die offensichtlich verrückte Mrs. Carmody von dem Ende der Welt, und das man Buße tun sollte. Zuerst hat sie nur ein, zwei Gläubige auf ihrer Seite, doch je später die Stunde schlägt, desto mehr wird Carmodys Bekehrungsversuche von Erfolg gekrönt, und so müssen die Supermarkt Insassen bald nicht nur die gefräßigen Monster abwehren, die mit Einbruch der Dunkelheit erscheinen, sondern auch die Sekte um Carmody, die nach einem Menschenopfer fordert.
Kritik: Die Dramaturgie bleibt dicht bei den Figuren, die weder mehr, noch weniger als der Betrachter wissen. Die Monster halten sich weitgehend zurück, seine Spannung bezieht die Erzählung in erster Linie aus dem atmosphärischen Szenario und dem Konflikt, der sich nach und nach zwischen den Figuren entwickelt. Da gibt es zum einen David, der seinen Sohn beschützen und auf vernünftige Art und Weise die Situation erfassen will. Sein Nachbar glaubt nicht so recht an die Vorgänge und erkennt nicht den Ernst der Situation, während drei übermütige Angestellte des Supermarkts die erste Katastrophe herbei führen. Am deutlichsten sticht aus der etwa 30-köpfigen Gruppe Mrs. Carmody hervor, die ihren pseudo-religiösen Fanatismus immer lauter vermeldet. Spätestens seit Hitchcocks Die Vögel ist eine solche, halb irre Prophetin Gottes aus einem apokalyptischen Szenario kaum noch weg zu denken. Im Verlauf des Films wird Mrs. Carmody mehr und mehr fanatisch, zitiert laut aus der Bibel und kann letztlich die Gruppe spalten. Das zerrt an den Nerven der Zuschauer und an denen der Figuren.
Es ist das eigentlich Interessante an der Geschichte, dass der Blick auf das Verhalten der Menschen in dieser Extremsituation fokussiert. Anfängliche Ratlosigkeit und Skepsis wandeln sich in Angst, Panik, Verrohung und letztlich (religiösen) Wahnsinn. So dürfen die Menschen in der grausamsten Szene des Films selbst Hand anlegen, einen vermeintlich schuldigen, jungen Soldaten zusammen schlagen, mit Messern aufschlitzen und den Monstern zum Fraß vorwerfen.
Die Inszenierung trifft den Geist der Stephen King-Vorlage auf den er basiert, allerdings glückt die Zeichnung der Charaktere nicht immer. David, Mrs. Carmody und drei, vier andere Figuren können eine Anteilnahme des Zuschauers erzwingen. Doch einige der anderen Figuren, z.B. Davids Nachbar, werden nur am Rande gestreift, so dass diese, eigentlich interessanten Charaktere nur ein Schattendasein führen. Außerdem vermisst man bei anderen Figuren Entwicklung oder tiefer gehende Charakterisierung. Das ist sehr bedauerlich, denn gerade ein Film wie „Der Nebel“, der die Einheit von Ort, Zeit und Handlung wahrt und sehr geradlinig und dicht an den Figuren erzählt, ist auf starke Charaktere angewiesen.
Fazit: Das Ende ist krass und setzt noch ein bitteres i-Tüpfelchen. Es gibt schwarzen Humor, wirkungsvolle Schockeffekte, subtile Andeutungen auf US-amerikanische Befindlichkeiten und solide inszenierten Grusel. Kein Meisterstück, aber guter Fantasy-Horror mit einer sozialkritischen Note. 3 von 5 Punkte
by Thomas Raube
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