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Kinokritik "Aliens" Director's Cut Aliens - Als 1979 der Film mit diesen Namen in die Kinos kam, konnte kaum jemand sich denken, welchen Erfolg er ernten würde. Der Sci-Fi-Horror-Schocker von Ridley Scott ist heutzutage Kult, mittlerweile hat sogar Teil vier die Kinosäle passiert. Jetzt kommt der Director‘s Cut des ersten Teils wieder im Kino heraus. (26. 10. 2003) Einsam gleitet der Raumfrachter Nostromo durch das Weltall. Seine Mannschaft liegt in weißen, verglasten Röhren-Kokons im künstlichen Tiefschlaf. "Mutter", der Bord-Computer, fängt einen Notsignal auf - und weckt die Männer und Frauen programmgemäß auf. Das Raumschiff landet auf einem wüsten Planeten, von dem der Hilferuf stammt. Drei Astronauten steigen aus, um nach dem Rechten zu sehen... Das ist der hypnotisch langsame, unspektakuläre und fast schon langweilige Anfang eines Meisterwerks. Man kann sich immer wieder von Neuem berauschen an Ridley Scotts "Alien". Auch beim "Director's Cut" sind es fast ausnahmslos die Bilder des Klassikers. Aber wir nehmen sie anders wahr als bei der Kinopremiere 1979. Heute blicken wir zurück auf ein vergangenes Computer-Zeitalter, grün schimmernde Bildschirme und ganze Räume voller Hardware. Wir haben das Gefühl, dass niemals wieder nach "Alien" eine ähnlich großartige und Furcht erregende Musik für einen Horror-Film komponiert wurde wie der Score von Jerry Goldsmith. Und wir lassen uns immer wieder von neuem hineinziehen in diese Atmosphäre des Ausgeliefertseins, nachdem einer der drei Astronauten des Stoßtrupps mit einem schleimigen Etwas auf dem Gesicht in die Nostromo zurückkehrt - und damit unbewusst einer entsetzlichen Tötungsmaschine ihren Weg zur Menschheit geebnet hat. Wer den Film bislang im Fernsehen, auf Video oder DVD gesehen hatte, kannte die wichtigste Person an Bord in der Regel schon vorher: Ellen Ripley, zweiter Offizier an Bord, würde das Massaker überleben. Schließlich spielte Sigourney Weaver die Space-Heroine noch in drei weiteren Teilen: "Aliens - Die Rückkehr" (1986, von James Cameron), "Alien 3" (1992, von David Fincher) und "Alien: Resurrection" (1997, von Jean-Pierre Jeunet). 1979 dagegen war der Handlungsverlauf mit Sigourney Weaver als einziger Überlebender völlig überraschend. Yaphet Kotto (der schwarze Bordmechaniker, der immerhin auch fast bis zum Schluss am Leben bleibt) und Tom Skerritt (der schnell dahinscheidende Captain "Dallas") waren die einzigen bekannteren Namen. John Hurt, Harry Dean Stanton und Ian Holm wurden anschließend Stars. Und Sigourney Weaver galt seit "Alien" als prototypische Kampfamazone der späten Siebziger. Als „female Rambo" oder, etwas schmeichelhafter, als "the thinking man's sex symbol". Ridley Scott hat seinen Director's Cut aus einer Fülle unberührter Filmrollen geschnitten, die in einem Londoner Tresor lagerten. Von den groß angekündigten "neuen Szenen" sollte man nicht allzu viel erwarten. Bis auf eine Einstellung, die die nach und nach getöteten und dann verschwundenen Astronauten in einem schleimigen Kokon zeigt, fallen sie nicht weiter auf. Die Geschichte des Films muss keinesfalls, wie zuletzt beim Director's Cut von "Apocalypse Now", neu erzählt werden. Es ist aber trotzdem ein Erlebnis, diesen Klassiker wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Die Brillianz der Bilder, das Film-Negativ wurde aufgearbeitet und dann digitalisiert, kann bei der Erstaufführung 1979 kaum besser gewesen sein. Perfekt ist jetzt auch der sechsspurige Digital-Remix des Sounds. Um so mehr das "Alien" Besitz ergreift von der Nostromo, desto weniger wird gesprochen, und alleine Geräusche zeigen und steigern die Angst: der Herzschlag, der Widerhall der Schritte auf dem Metall der Flure. Und die Stille, die Ridley Scott in "Alien" beinahe so eindrucksvoll eingesetzt hat wie Stanley Kubrick in "2001 - Odyssee im Weltraum". Ein sehenswerter Blick zurück auf die klassischen, subtilen Stilmittel des Horrorfilms, die noch heute effektvoller wirken als die meisten am Computer animierten Grausamkeiten. Fazit: Sich extra auf dem Weg in die Kinos machen, nur wegen der Handvoll neuen Szenen, würde sich wohl nicht lohnen. Einzig die Leute, die Alien noch nicht gesehen haben, oder wer Fan dieses Horror Shockers ist, wird voll auf seine Kosten kommen.
Text by Thomas Raube
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