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Kinokritik Æon Flux
Die Ausgangslage für „Æon Flux“ klang eigentlich ganz gut: Eine kultige MTV-Sci-Fi-Zeichen-trickserie als Vorlage, eine Oscarpreisträgerin als Action-Heroine und dazu eine hochgelobte Regisseurin hinter der Kamera. Doch nachdem in den USA die Pressevorstellungen abgesagt wurden, machte die schlechte Kunde schnell die Runde. Der Film wurde aufgegeben, und ihm seinen Flop-Schicksal überlassen. Doch bevor wir näher auf die Hintergründe eingehen, hier erst einmal die Handlung:
Plot: Schöne, neue Welt 2415: Die Menschheit erholt sich immer noch von einer Viruskatastrophe, bei der gut 99 Prozent der Erdbewohner ausgerottet wurden. Die letzten Überlebenden verdanken ihre Rettung dem Wissenschaftler Goodchild, dem es gelang ein Gegenmittel für das Virus zu finden. Seitdem herrschen die Nachkommen von Goodchild über den letzten Rest der Menschheit. Im hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Stadtstaat Bregna regiert eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Führung der Brüder Trevor (Marton Csokas) und Oren Goodchild (Jonny Lee Miller) in einem totalitären System. Æon Flux (Charlize Theron) gehört der Untergrundbewegung der Monicans an. Als ihre Schwester Una Flux (Amelia Warner) von Regierungsagenten umgebracht wird, schwört sie Rache. Auf Befehl ihrer Rebellenführerin (Frances McDormand) zieht sie gemeinsam mit Kampfgefährtin Sithandra (Sophie Okonedo) aus, um Trevor Goodchild zu töten und den Staat zu stürzen. Beim Einbruch in die hochgesicherten Staatsgebäude sind nicht nur Æons akrobatische Fähigkeiten gefragt. Sie ist die perfekte Attentäterin, eine tödliche menschliche Waffe. Aber das ist nicht genug, der Anschlag misslingt. Damit fangen die Komplikationen aber erst an...
Bei „Æon Flux“ bekommt das Besucherauge optisch viel geboten. Die Gärten des Potsdamer Schlosses Sanssouci (immer einen Ausflug wert, nebenbei bemerkt) dienen unter anderem als 1:1-Kulisse für den Film, der komplett in Berlin bzw. Potsdam und den Babelsberg Studios gedreht wurde. Die Produktionsdesigner machten aus der relativen Not (Budget = 55 Millionen Dollar) eine Tugend und integrierten reale Bauten in ihre Zukunftsvision. Das hat viel Charme und wirkt sehr hübsch - eindeutig ein Pluspunkt von „Æon Flux“, auch wenn der avantgardistische Touch mehr von den Kostümen und Frisuren herrührt als von der Handlung. Und wer genauer hinsieht, entdeckt auch den deutschen TV-, Werbe- und Kinodarsteller Ralph Herforth („Bang Boom Bang“, „Der Eisbär“), wie er hinter einer Hecke hervorlugt. Im Folgenden darf er sich noch ein bisschen körperlich ertüchtigen und durch die Gegend ballern, bevor er sich genregerecht verabschiedet. Immerhin war Herforth dabei - das Motto vieler Deutscher, die in US-Mainstreamfilmen mitwirken (Til Schweiger wird wissen, was gemeint ist...).
Die MTV-Zeichentrickserien-Vorlage von Peter Chung stammt aus dem Jahr 1995. Regisseurin Karyn Kusama orientiert sich daran, traut sich aber nicht, die Radikalität und ausufernde Gewalt ganz zu übernehmen. Das ist nicht weiter wild, stilistisch bietet „Æon Flux“ sowieso eher comicartige Blutszenen. Das größte Vergnügen und der beste Trumpf des Films ist erwartungsgemäß Charlize Theron (Gottes Werk und Teufels Beitrag, Monster, Mein großer Freund Joe, Men of Honor, The Astronauts Wife), die sich in den athletischen Fußstapfen von Angelina Jolie und Jennifer Garner bewegt und dabei in ihrem hautengen sexy Spandexoutfits eine ausgezeichnete Figur macht (ist wörtlich zu nehmen). Ihre Actioneinlagen sind zumeist sehenswert und pendeln zwischen zirkusartiger Athletik, körperbetontem Nahkampf und Bodenturnen auf olympischem Niveau, was gelegentlich ein wenig ulkig anmutet. Nicht umsonst mussten die Dreharbeiten für acht Wochen ausgesetzt werden, nachdem sich Theron eine gefährliche Genickverletzung zugezogen hatte.
Warum nur meckert ein Großteil der US-Presse über „Æon Flux“? Die Antwort fällt nicht schwer. Die Storybearbeitung bietet nicht viel mehr als eine durchschnittliche „Alias“-Folge. Zudem dauert es eine Weile, bis der Zuschauer durchschaut, worum es überhaupt geht. Die eingeflochtene Klonthematik entpuppt sich als müde Storykrücke, die nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen animiert. Der übergeordnete Überwachungsstaat wird inhaltlich nur sehr oberflächlich abgehandelt. Das ist alles wirklich hübsch anzusehen, aber richtig packend und zwingend wirkt „Æon Flux“ nie. Einige optische Highlights und passable Actionszenen sorgen zwischendrin für Kurzweil, aber Æon Flux gelingt es nicht, den Adrenalinpegel des Betrachters ständig am Limit zu halten. Trotz der kurzen Spielzeit von 92 Minuten drängt sich der Blick zur Uhr dann und wann auf.
„Æon Flux“ fehlt einfach ein origineller Eindruck. Fast alles, was präsentiert wird, war schon einmal da. Ein bisschen Matrix und Die Insel hier, eine Prise Jennifer-Garner-Elektra dort, dazu Elemente aus Blade Runner und Das fünfte Element, Ideen von George Orwell und fertig ist der futurische Action-Thriller. Das Problem: Abgesehen von „Elektra“ ist jedes der genannten Vorbilder besser als „Æon Flux“.
Fazit: Der Film bietet ein paar schön anzusehende Bilder, allen voran ein originelles Seting, Berlin und Charlize Theron. Doch die Story ist nicht wirklich zu durchschauen. Erst gegen Mitte erkennt man überhaupt, worum es geht, und fragt sich danach, was man sich bei dem Film gedacht hatte. Hundertprozentig wird der Film schnell in der Versenkung verschwinden, so wie es in den USA bereits geschehen ist.
Text by Thomas Raube |
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